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Premiumverträge der Post : Amazon zuerst?

  • -Aktualisiert am

Eine Lieferung des Großhändlers Amazon wird versandfertig gemacht. Bild: AP

Buchhändler werfen der Post vor, Großkunden bevorzugt zu behandeln, damit diese ihr Versprechen der Übernachtlieferung halten können. Das ginge jedoch häufig auf Kosten kleinerer Händler.

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          Dass man an einem Tag ein Buch im Internet bestellt und es am nächsten Morgen im Briefkasten hat, ist inzwischen für viele Leute Normalität. Diese logistische Leistung verdankt sich aber, was das Unternehmen Deutsche Post DHL betrifft, möglicherweise auch einer massiven Bevorzugung ihrer Großkunden, die mit einer Benachteiligung der kleinen Buchhändler einhergeht.

          Jan Wiele

          Redakteur im Feuilleton.

          Davon zumindest ist der Braunschweiger Buchhändler Thomas Wrensch überzeugt. Er ist Vorsitzender des „Sortimenter-Ausschusses“ beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der die Interessen der Sortimentsbuchhandlungen vertritt. Dort seien jüngst wiederholt Klagen über verzögerte Zustellung durch die Post geäußert worden, und zwar bei Päckchen und Paketen, vor allem aber bei Büchersendungen. Die sollen normalerweise vier Tage brauchen, er und viele seiner Kollegen machten jedoch die Erfahrung, dass es meist eher sieben oder acht, manchmal auch zehn Tage sind. Im vergangenen Jahr habe seine Buchhandlung eine Software erstellt, mit deren Hilfe die Post Büchersendungen innerhalb von zwei Tagen auslieferte, doch der Service sei von der Post im Dezember ohne Kommentar wieder eingestellt worden, sagt Wrensch. Über den vergangenen Jahreswechsel seien zudem dreihundert Päckchen einfach für fünf Wochen verschwunden, darunter vermutlich viele mit Weihnachtsgeschenken.

          Bestmöglicher Service?

          Wrensch und seine Kollegen vermuten, dass die Post unter dem Druck des explodierenden Sendungsaufkommens im Online-Versandhandel im Zweifel immer erst die Sendungen der Großkunden auf den Wagen lade, damit diese ihr Übernacht-Versprechen einhalten können. Die kleineren Kunden haben das Nachsehen. Unter der Hand, so Wrensch, haben auch einige Zusteller bereits bestätigt, sie seien per Order der Postdirektion angehalten, die drei wichtigsten Kunden bevorzugt zu expedieren - und das, obwohl diese weniger pro Packstück bezahlten als die Einzelbuchhändler. Es gebe womöglich sogar postinterne Dokumente, die dies belegten.

          Dass man dazu je ein Schriftstück bekommen könnte, bezweifelt jedoch Veit Hoffmann, der in Bremen eine stationäre Buchhandlung mit Online-Shop betreibt und ebenfalls einige Erfahrung mit verzögerten Büchersendungen hat. Sein Postzusteller allerdings habe ihm verraten, dass an Tagen mit nicht zu bewältigendem Sendungsaufkommen immer die Direktive „Amazon first“ gelte. Dass die Post mit einem Premiumkunden besondere Verträge abschließe, findet Hoffmann an sich nicht verwerflich - problematisch aber werde es dann, wenn darunter andere Kunden leiden müssten und die Post dies bewusst in Kauf nehme.

          Eine Unternehmenssprecherin der Post bestritt im Gespräch mit der F.A.Z., dass es eine derartige Premium-Order gebe: Die Post biete für alle Kunden den bestmöglichen Service, und zudem verzeichne sie in der betreffenden Angelegenheit auch keine übermäßigen Kundenbeschwerden. Das zumindest stellt sich angesichts der gesammelten Klagen aus dem Sortimenter-Ausschuss sehr anders dar.

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