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Preise der Leipziger Buchmesse : Das übersehene Buch der Außenseiterin gewinnt

Stolze Preisträgerin: Anke Stelling erhielt für „Schäfchen im Trockenen“ den Belletristik-Preis der Leipziger Buchmesse. Bild: dpa

Auf der Leipziger Buchmesse wurden die Preise für den besten Roman, das beste Sachbuch und die beste Übersetzung vergeben. Die Entscheidungen sind teilweise überraschend, das Prozedere bei der Nominierung war es leider auch.

          Der Leipziger Buchpreis wird in drei Kategorien verliehen: Übersetzung, Sachbuch/Essayistik, Belletristik. Genau in dieser Reihenfolge werden sie am ersten Messenachmittag auch vergeben, was einiges über die Hierarchie aussagt, denn natürlich kommt der Höhepunkt zum Schluss. Wir nehmen ihn hier vorweg: Bester Roman – es waren diesmal nur Romane für den Belletristikpreis nominiert – wurde „Schäfchen im Trockenen“ von Anke Stelling (erschienen beim Verbrecher Verlag).

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Damit hat eine Außenseiterin gewonnen. Gut so! Denn es hätte auch die pikante Nominierungskonstellation bis in die Preisträgerliste fortgeschrieben werden können: Unter den fünfzehn Kandidaten in den drei Kategorien waren bei den Übersetzungen zwei rumänische Bücher, die von der Förderung im Rahmen des letztjährigen Gastlandsauftritts Rumäniens in Leipzig profitiert haben, bei den Sachbüchern waren zwei Titel im Rennen, die von Redakteuren der „Süddeutschen Zeitung“ verfasst sind (deren Kollege Jens Bisky in Leipzig Juryvorsitzender ist), und bei der Belletristik war mit Jaroslav Rudis ein Autor aus dem diesjährigen Gastland Tschechien dabei, der seinen Roman zwar auf Deutsch geschrieben hat, aber wiederum stark in den tschechischen Messeauftritt involviert war. Mit der Qualität der fünf Bücher hat diese personelle oder finanzielle Verquickung natürlich gar nichts zu tun, aber einen gewissen Geschmack hatte die schiere Zahl solcher Fälle schon.

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          Jens Bisky sagte ein paar Worte vorab zum Selbstverständnis der siebenköpfigen Jury, die allerdings keine Erklärung der auffälligen Nominierungen boten, sondern eine Hommage an Egon Friedell waren, einen der Lieblingsautoren des Juryvorsitzenden. Friedells umfassende literarische Kompetenz setzte Bisky gegen die allgegenwärtige Spezialisierung, so wie auch der Leipziger Buchpreis die großen Buchgenres gleichberechtigt nebeneinander stelle – und das im Dienste eines allgemeinen Publikums. Die fünfzehn nominierten Titel seien die, an der nach Meinung der Jury in diesem Frühjahr kein Leser vorbeikomme. Wobei Anke Stellings Roman „Schäfchen im Trockenen“ schon im vergangenen Sommer erschienen war, aber warum sollte man das bislang eher übersehene Buch nicht jetzt endlich nachholen?

          Was soll aber Feridun Zaimoglu sagen, der schon zum siebten Mal in Leipzig oder Frankfurt für einen der beiden publikumswirksamsten deutschen Romanpreise nominiert war, diesmal mit „Die Geschichte der Frau“, und wieder leer ausging? Wird er künftig einer neuen Enttäuschung durch Absage an eine Nominierung vorbeugen, oder wird irgendwann eine Jury so peinlich berührt sein von dieser Kontinuität der Nichtberücksichtigung, dass sie sich auf Zaimoglu vorab festlegt? Beides keine schönen Aussichten.

          Bei den Sachbüchern triumphierte Harald Jähner mit „Wolfszeit – Deutschland und die Deutschen 1945-1955“ (Rowohlt Berlin). Bei den Übersetzungen Eva Ruth Wemme für ihre Übertragung von Gabriela Adamesteanus „Verlorener Morgen“ aus dem Rumänischen (Andere Bibliothek). Dass dieses im Original schon 1986 erschienene Meisterwerk der europäischen Literatur nun noch etwas mehr Beachtung finden wird, macht das erwähnte Geschmäckle mehr als wett. Leuchtende, auch überraschende Entscheidungen, passend zum strahlenden Sonnenschein über der Glashalle des Leipziger Messegeländes. Leichte Schatten sind da verkraftbar.

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