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Preis der Leipziger Buchmesse : Dreifach richtig

Keine Überraschung: Esther Kinsky ging als haushohe Favoritin ins Rennen. Bild: dpa

Die Buchpreisgewinner der Leipziger Messe sind bekanntgegeben worden. Ein wenig mehr Überraschung hätte der Verleihung gut angestanden, im Vorfeld wäre dagegen etwas weniger Überraschung schön gewesen.

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          Die fünfzehn in diesem Jahr nominierten Bücher für die drei Kategorien des Preises der Leipziger Buchmesse (Belletristik, Sachbuch. Übersetzung) hatten im Vorfeld nicht eben Euphorie ausgelöst, besonders wenig im Belletristik-Bereich, wo mit Arno Geigers und Daniel Kehlmanns neuen Romanen gleich zwei allseits gefeierte – und vielgelesene – Titel nicht berücksichtigt wurden. Stattdessen hatte die siebenköpfige Jury in diesem Segment neben der mangels Konkurrenz haushohen Favoritin Esther Kinsky (mit ihrem Roman „Hain“, erschienen bei Suhrkamp) noch den Evergreen Georg Klein („Miakro“, Rowohlt), die Debütantin Anja Kampmann („Wie hoch die Wasser steigen“, Hanser), die gebürtige Amerikanerin Isabel Fargo Cole („Die grüne Grenze“, Edition Nautilus) und den Leipziger Lokalmatador Matthias Senkel („Dunkle Zahlen“, Matthes & Seitz) nominiert.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Als Esther Kinsky den Preis dann zum Finale des Nachmittags auch erhielt, rundete das die fast überraschungsfreie Veranstaltung konsequent ab, in deren Verlauf in der Glashalle des Leipziger Messegeländes die drei Gewinner bekanntgegeben wurden. Überraschungsfrei nicht zuletzt auch deshalb, weil sich die Struktur der Verleihung nie ändert und entsetzlich langweilt, weil man irgendwie eine Stunde voll bekommen muss. Warum nur?

          Mehr Stil- als Kompetenzfrage

          Dass bei den Sachbüchern ein Autor des C.H.-Beck-Verlags den Sieg davontragen würde, war schon statistisch wahrscheinlich – war das Münchner Unternehmen doch zu Recht gleich drei Mal nominiert, und das mit drei Stars ihrer jeweiligen Zunft: Der Gesellschafts-Historiker Gerd Koenen war mit seiner Gesamtgeschichte des Kommunismus, „Die Farbe Rot“, im Rennen, der Frühneuzeit-Historiker Bernd Roeck mit seiner Gesamtgeschichte der Renaissance, „Der Morgen der Welt“, und der Osteuropa-Historiker Karl Schlögel mit seiner Gesamtgeschichte der UdSSR, „Das sowjetische Jahrhundert“.

          Der Autor Karl Schlögel wird auf der Buchmesse mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Sachbuch ausgezeichnet.

          Dass es der Soziologe Andreas Reckwitz mit seiner gegenwartskritischen Klassen-Analyse „Die Gesellschaften der Singularitäten“ (Suhrkamp) und der Musikwissenschaftler Martin Geck mit seiner Komponistenstudie „Beethoven“ (Siedler) gegen diese drei schwer haben würden, war klar. Aus dem Beck-Trio triumphierte schließlich Karl Schlögel. Dass keine einzige Frau in dieser Rubrik nominiert war – nun ja. Dass die Leipziger Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke es trotzdem spannend machte und vor Nennung des Namens anhob: „Der Gewinner oder die Gewinnerin ...“ – nun ja.

          Bestbesetzte Rubrik war wie so häufig in Leipzig die den Übersetzungen gewidmete, in der Ernest Wichners Übertragung von Catalin Mihuleacs Roman „Oxenberg und Bernstein“ (Zsolnay) dem Rumänien-Schwerpunkt der diesjährigen Messe Rechnung trug, Robin Detje wieder einmal dabei war (diesmal als Übersetzer von Joshua Cohens Roman „Buch der Zahlen“, Schöffling), Michael Walter sein Lust- und Lebenswerk der Lawrence-Sterne-Übertragung (Galiani) einbrachte, Olga Radetzkaja mit Viktor Schklowskijs autobiographischer „Sentimentaler Reise“ ein weiteres Beispiel für die Russland-Kompetenz der Anderen Bibliothek bot und das Übersetzer-Duo Sabine Stöhr und Juri Durkot mit Serhij Zhadans ukrainischem Roman „Internat“ dafür sorgte, dass der Suhrkamp-Verlag in jeder Sparte ein nominiertes Buch aufzubieten hatte. Und dass er auch gleich den chronologisch ersten Preis des Nachmittags einheimsen konnte, ehe er dann eine halbe Stunde später mit Kinskys „Hain" auch den letzten zugesprochen bekam. Der erste war eine Überraschung angesichts des hochgewetteten Cohen-Buchs, aber eben auch die einzige. Schön auch, dass es damit das einzige nominierte Autorenduo traf.

          Überrascht: Der Übersetzer Juri Durkot und die Übersetzerin Sabine Stöhr werden auf der Buchmesse mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Übersetzung ausgezeichnet.

          Bleibt angesichts der jeweils durchaus verdienten Sieger nur die alljährliche Feststellung, dass das Leipziger Modell einer Gesamtjury für die drei Rubriken fragwürdig ist. Nicht nur, weil eine ernsthafte Würdigung von vierhundert eingereichten Büchern durch sieben Juroren nicht zu leisten ist, nein, noch mehr angesichts eines Übersetzerpreises, der neben dem allen Beteiligten geläufigen Englischen noch Kandidaten aus dem Russischen, Ukrainischen und Rumänischen bot. Wer aus der Jury spricht denn diese Sprachen, könnte also wirklich vergleichend urteilen? So ist diese Rubrik generell mehr Stil- als Kompetenzfrage. Das wäre auch einmal ein Thema für die ermüdenden Worte zum Donnerstag (konkret zur Lage der Kritik und der Literaturauszeichnungen), die wir zum Auftakt der Preisverleihung Jahr für Jahr aus dem Munde der Juryvorsitzenden über uns ergehen lassen müssen. Dass für die Belletristiksektion bei der Vorauswahl offenbar vor allem der Anspruch „Überraschung“ wichtig war, mag man hinnehmen. Angesichts der mehrjährigen Jurorentätigkeit in Leipzig würde man sich aber wünschen, dass beim nächsten Durchgang einmal anders überrascht wird: durch Plausibilität der Vorauswahl.

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