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Pessimismus der Schriftsteller : Wir sind die Warner und Mahner

Eva Menasse Bild: Imago

Mit seinem schriftstellerischen Pauschalpessimismus ist der Amerikaner Jonathan Franzen gerade nicht allein: Das Klagen über den Zerfall der Öffentlichkeit durch das Internet hat Programm.

          3 Min.

          Der amerikanische Schriftsteller Jonathan Franzen saß am vergangenen Mittwoch mit dem Rücken zum Wannsee, über dem – es war später Nachmittag – die Sonne noch erstaunlich hoch stand und denen, die gekommen waren, um Franzen zu hören, heiß ins Gesicht knallte. Hinter ihm auf dem See konnte man einen Wassersportler dabei beobachten, wie er, von einem Motorboot gezogen, mit einem dieser neuen elektrischen Hydrofoils beeindruckend sicher auf dem See hin- und herkurvte. Und vielleicht lag es am schönen Wetter oder an der Urlaubsstimmung des Autors (Franzen macht in Deutschland gerade Ferien), dass das Gespräch, das er mit seinem Übersetzer und Freund Wieland Freund führte, auch eher wie ein gleichmäßiges, ja beinahe gleichmütiges Hin- und Herkurven wirkte. Franzen hatte seinen neuen Essayband, um den es ging, nicht mal dabei. Er lieh sich die amerikanische Ausgabe von einem der Gäste aus dem Publikum, um daraus vorzulesen: „Das Ende vom Ende der Welt“. Immer wenn er wütend sei, schreibe er Essays, sagte er und fügte anstelle eines Lachens noch ein „Ha ha“ hinzu. Es ging ihm offenbar gut.

          Julia Encke
          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Überraschend war das vor allem deshalb, weil Jonathan Franzen sich öffentlich zuletzt eigentlich nur noch düster und kulturpessimistisch geäußert hat, ganz so, als ginge es ihm, weil es der Welt schlecht geht, selbstverständlich auch schlecht. Vor ein paar Wochen erst erklärte er sich in einem Interview mit dem „Spiegel“ zum radikalen Gegner der Tech-Konzerne und der Digitalisierung. Besonders differenziert wirkten seine Äußerungen nicht und folgten auch keinem Prinzip der Übertreibung. Franzen schlug einfach in jeder Antwort, die er gab, die Hände über dem Kopf zusammen: „Viele Probleme, die wir heute haben, hat die Digitalindustrie überhaupt erst hervorgebracht: den Untergang der Nachrichtenmedien, das Ende der Fakten, den Kollaps des Diskurses. Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass die Vereinigten Staaten noch polarisierter werden könnten, als sie es schon waren? Die sozialen Medien haben sogar das geschafft. Das Silicon Valley hat uns Donald Trump eingebrockt. Es müsste wahre Wunder vollbringen, um das wiedergutzumachen.“

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