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Kinderbuchplattform Oetinger34 : Wo Autoren und Illustratoren ihre Werke ausbrüten

Revolution, zweiter Versuch

Was dann damit geschieht, entscheidet Katrin Weller, die Programmleiterin von Oetinger34. Die Lektorin kommt vom Würzburger Kinder- und Jugendbuchverlag Arena und ist seit dem Frühjahr in Hamburg mit von der Partie. Natürlich werde sich das Lektorat, erklärt sie das Verfahren, die ausgewählten Titel genau anschauen, aber ebenso selbstverständlich auch auf Werke achten, die von der Community nicht favorisiert worden sind. Ein Platz unter den Top Ten sei kein Garant für die spätere Publikation. Entscheidend sei Qualität, und das Urteil darüber wird nicht allein den Nutzern überlassen. Sobald klar sei, dass ein Buch bei Oetinger34 nicht erscheinen werde, stehe allerdings dessen Schöpfern frei, es anderen Verlagen anzubieten oder auch auf eigene Faust zu veröffentlichen.

Qualität ist das Schlüsselwort der ganzen Unternehmung. Schon einmal nämlich hat Weitendorf eine Autoren-Plattform mit großen Erwartungen ins Netz gestellt. Auch Triboox hatte sich die Revolution auf die Fahnen geschrieben. Diese Self-Publishing-Plattform, auf der Autoren sich bereits beim Schreiben über die Schulter schauen und beraten lassen konnten, auf der sie ihre fertigen Werke zu einem von ihnen festgelegten Preis anbieten konnten und die Community in wöchentlichen Votings zeigen sollte, welcher Titel mit Bestsellerpotential eigentlich nur noch von einem Verlag entdeckt und veröffentlicht zu werden brauchte, konnte zwar mehr als tausend Nutzer anlocken, aber keine weiteren Investoren. Wie man damit Geld verdienen sollte, war auch nicht klar. Dafür hat sich gezeigt, wohin es führt, einer Community das letzte Wort über die Qualität von Büchern zu überlassen: nicht allzu weit. Ende 2012, fünf Jahre nach dem Beginn, war Schluss.

Bitte anklopfen

„Wir haben ein paar Federn gelassen bei Triboox“, sagt Till Weitendorf heute, „aber wir haben auch daraus gelernt.“ Wie sich eine Community verhält, was den Nutzern gefällt und was nicht. Mit welcher Offenheit die Betreiber der Plattform agieren müssen. Und dass Schreiben einen Schutzraum braucht. „Das ist etwas, das wir uns abgeguckt haben vom klassischen Verlag: Diese Intimitätssphäre muss es einfach geben.“ So sind es bei Büchern ohne Bilder lediglich der Autor und ein Junior-Lektor, die das Werk im Weißraum aufrufen können, bei Bilder- und Kinderbüchern kommt natürlich noch ein Illustrator hinzu. „Selbst das Oetinger34-Lektorat muss anklopfen, wenn es in die Projekte schauen will“, sagt der Verleger.

Oetinger34 als Partnerbörse: Hier finden sich Gleichgesinnte

Der Weißraum ermöglicht Autoren und Illustratoren, ihre Texte und Bilder schon so zu arrangieren, wie sie später aussehen könnten, und die Arbeit des anderen zu kommentieren: Stimmen Farbgebung und Schriftgröße? Wirkt die gezeichnete Figur vielleicht zu jung oder zu alt für die Vorstellung des Autors? Oder könnte, andersherum, der seinen Text vielleicht noch etwas straffen und manche Details einfach den Bildern überlassen? Die Beteiligten können sich zwar nicht gegenseitig in die Arbeit pfuschen, dafür ist gesorgt, aber die Abstimmung ist schon in der Entstehung eng. Und wird schon früh begleitet.

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