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Digitalisierung der Bildung : Nimm und lies!

  • -Aktualisiert am

Digital oder analog? Der Kontext ist entscheidend Bild: Jens Gyarmaty

Auch wenn die Vertreter von Wissenschaft und Bildung beteuern, auch in Zukunft mit gedruckter und digitaler Lektüre zu planen: Die aktuellen Weichenstellungen zeigen eine andere Linie. Ein Kommentar

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          Wer sein Gehirn nicht mit einem Computer verwechselt, dem wird vielleicht schon aufgegangen sein, was kürzlich mehr als 130 Leseforscher aus aller Welt in der Stavanger-Erklärung bestätigt haben: Das Lesen auf Papier hat unschlagbare Vorteile, wenn man sich in einen Text vertiefen und etwas davon behalten will. Am Lesen sind nun einmal viele Sinne beteiligt, und das Gedächtnis braucht einen festen Ort, an dem es seine Gedanken und Assoziationen festmacht. Man liest ein Buch ja auch nicht auf einer Verkehrsinsel oder in einem Shoppingcenter, wo tausend andere Reizquellen um die Aufmerksamkeit buhlen. Und das Internet ist nicht nur ein Medium der Information, sondern auch der Manipulation und Steuerung.

          Die Botschaft der Leseforschung kommt also alles andere als überraschend, und doch stürzt sie in den Universitäten und Schulen ein ganzes Glaubenssystem ein. An den Hochschulen und in den Wissenschaftsorganisationen lautet die Devise seit Jahren: e-only, und die Open-Access-Bewegung hat viel dafür getan, um Verlage, für die Bücher und Zeitschriften mehr als Verkaufsartikel sind, an den Rand oder in die Insolvenz zu treiben. Die Politik hat sie darin mit mehreren Urheberrechtsgesetzen großzügig unterstützt. Das Rennen machen nun die internationalen Großverlage, die den Wissenschafts- und Bildungsetat mit fürstlichen Renditen schröpfen und die sich nach dem Vorbild von Google zu Datenunternehmen entwickeln wollen, Auswertung aller persönlichen Informationen inbegriffen. An den Schulen ist man fortschreitend von der Lektüre längerer Textpassagen abgerückt, weil Infohäppchen nun einmal bekömmlicher sind.

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