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Buchmarkt : Neues Dreigestirn bei Diogenes

Gast des Hauses: Tanja Graf beim Buchmessenempfang der F.A.Z. im Jahr 2010 Bild: Daniel Pilar

Für den einen ist es der Todesstoß, für den anderen Krisenzeichen und Hoffnungsschimmer zugleich: Tanja Graf verlässt ihren eigenen Verlag und heuert beim Schweizer Traditionshaus Diogenes an.

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          Der Diogenes Verlag in Zürich meldet eine spektakuläre Personalie: Tanja Graf wird am 1. März 2015 in die Führung des Hauses einsteigen – gemeinsam mit dem Verleger Philipp Keel, der vor drei Jahren nach dem Tod seines Vaters, des Firmengründers Daniel Keel, erst als einer von drei pro forma gleichberechtigten Geschäftsführern und dann weitgehend alleinverantwortlich die Geschicke des Verlags lenkte, und dem Programmleiter Winfried Stephan, der bereits zum ersten Triumvirat gehörte. Graf soll, so Diogenes, „das Programm gestalten und verantworten“.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Bislang war die gelernte Buchhändlerin und studierte Romanistin Leiterin des 2010 von ihr gegründeten Graf Verlags in München, der allerdings Teil der Ullstein-Verlagsgruppe ist. Mit dem Wechsel von Tanja Graf nach Zürich stellt Ullstein das Programm dieses Imprints ein, also wird als letztes das Frühjahrsprogramm 2015 erscheinen. Den Verlag ohne seine Gründerin weiterzuführen sei nicht sinnvoll, sagte die Ullstein-Chefin Siv Bublitz dem Fachblatt „BuchMarkt“. Interessant wird zu beobachten sein, welche der zweifellos längerfristig verabredeten Buchprojekte von Tanja Graf dann noch woanders bei Ullstein unterkommen.

          Die entstandene Führungslücke schließen

          Tanja Graf hat nicht nur im eigenen Verlag Erfahrungen gesammelt. Nach dreizehn Jahren als Lektorin bei Piper begründete sie 2003 gemeinsam mit dem Fotobuchverleger Lothar Schirmer den SchirmerGraf Verlag, den sie aber 2009 wieder verließ, nachdem sich der Plan, aufwendig gestaltete literarische Werke zu publizieren, als kommerziell wenig erfolgreich erwies. Der jetzige Wechsel zu Diogenes dürfte auch dadurch begünstigt worden sein, dass Tanja Graf seit einigen Jahren mit Patrick Süskind, einem der wichtigsten Autoren des Hauses, liiert ist.

          Diogenes wiederum dokumentiert mit der Personalie die immer noch nicht abgeschlossenen Bemühungen, die durch den Tod von Daniel Keel entstandene Führungslücke zu schließen. Philipp Keel hatte bei Amtsantritt wenig Erfahrung als Verleger, und das durch ihn konsequent um junge Autoren – bis hin zur erst siebzehn Jahre alten Solomonica de Winter – erweiterte Programm hat zwar Aufmerksamkeit erregt, aber in jüngerer Zeit musste Diogenes Umsatzeinbußen hinnehmen. Mit Daniel Kampa hat die langjährige rechte Hand von Daniel Keel vor einem Jahr den Verlag verlassen, als das gemeinsame Führungstrio mit Keel junior und Stephan seine Erwartungen enttäuschte. Kampa ging als Verleger nach Hamburg zu Hoffmann & Campe, wo er binnen kurzem ein Programm etabliert hat, das aufs klassische Diogenes-Rezept setzt und erfolgreich ist.

          Tanja Graf  wird vor allem deshalb engagiert worden sein, um dem etwas jüngeren Philipp Keel, der den größten Teil seines Lebens in Amerika verbracht hat, mit ihrer Erfahrung zur Seite zu stehen und den deutschen Buchmarkt zu betreuen.

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