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Bachmann-Preis : Den Schmerz wegtanzen

  • -Aktualisiert am

Gewinnerin des Bachmannpreises: Nava Ebrahimi Bild: dpa

Nava Ebrahimi gewinnt hochverdient den Bachmannpreis 2021. Im Vordergrund stand aber eher die Frage, wie man über Literatur reden soll.

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          Vermessenheit war immer schon Programm beim Ingeborg-Bachmann-Preis, und zwar bis in den Titel hinein: „Tage der deutschsprachigen Literatur“ suggeriert eine Gesamtschau, die in Klagenfurt nie zur Debatte stand. Das ist beim „Eurovision Song Contest“ freilich nicht anders. Und wie beim ESC entstammen die meisten der inzwischen vierzehn Teilnehmer an diesen Festspielen deutschsprachiger Literatur einer bestimmten Alterskohorte, wobei Ausnahmen möglich sind: Im vorigen Jahr gewann die achtzigjährige Helga Schubert den Preis. Diesmal trug der reifere österreichische Schriftsteller Fritz Krenn eine köstliche Leseszenen-Groteske vor, eine verspielte Inversion von Goethes „Schlagt ihn tot, den Hund! Es ist ein Rezensent“, in der nun Kerberos den Autor anfällt. So ganz passte Krenns Text freilich nicht. Früher wurden Lesende in Klagenfurt noch zähnefletschend zerfetzt – erinnert sei an Jörg Fauser –, aber diese Tage sind vorbei. Begrüßenswert ist das Interesse an migrantisch imprägnierter Prosa, von der heute die stärksten Impulse ausgehen; dass die Jury selbst kulturell nicht sonderlich divers besetzt ist, bleibt ein kleiner Makel.

          Doch war der Kärntner „Bewerb“ eigentlich nie der „Literaturgerichtshof“, als den ihn Michael Köhlmeier einmal apostrophiert hat, auch wenn er 1977 nach dem Modell der Gruppe 47 ins Leben gerufen wurde. Von Anfang an handelte es sich eher um eine Manege, und zwar um eine doppelte. In diesem Zirkus treten neben den Akrobaten – Hochseilartisten, Jongleure, Gaukler –, eben auch Dompteure auf: die Kritiker, die ihren Kopf ins Löwenmaul stecken und ihn durchaus verlieren können, sei es, weil die Bestie hin und wieder doch zeigt, wie unbezähmbar sie ist (Rainald Goetz, Urs Allemann), sei es, weil die Berechenbarkeit der Jury offen ausgestellt wird (Kathrin Passig), oder sei es, weil man sich mit geschmäcklerischen Urteilen blamiert. Das jedenfalls ist die tiefere Konfrontation am Wörthersee: Literaten versus Kritiker, zwei Königskinder, die einander lieben und nicht lieben dürfen.

          Großteil der Texte: arg mittelmäßig

          In diesem Jahr standen vor allem die Kritiker im Rampenlicht. Das lag weniger daran, dass die Jury anders als die digital zugeschalteten Autorinnen und Autoren vier Tage lang in Klagenfurt präsent war (im vergangenen Jahr hielt allein der wackere Moderator Christian Ankowitsch die Stellung), sondern eher schon daran, dass der Großteil der Texte sich als arg mittelmäßig erwies: mit Lyrismen gespickte Verzweiflungsklagen, Institutsprosa der Identitätssuche, Gesellschaftssatiren, erzähltechnisch alles in altbekannten Bahnen. Vor allem aber finden derzeit die interessanteren Umbrüche auf der Ebene der Literaturkritik statt, die sich noch nie so massiv vor die Frage gestellt sah, welche Relevanz sie noch hat, zumal, wenn sie sich nicht als Empfehlungsservice verstehen will. Das empathische Sprechen über Literatur hat jedoch immer größere Geländegewinne vorzuweisen, auch beim Bachmannpreis.

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