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25 Jahre Ludwig-Börne-Stiftung : „Ich wollte für Toleranz und Freiheit werben“

Die Büste am Grab von Ludwig Börne auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise Bild: Helmut Fricke

Ludwig Börne war Publizist und Demokrat, pointiert und streitbar. Nun wird der Preis, der seinen Namen trägt, zum 25. Mal vergeben. Michael Gotthelf spricht über ein Vierteljahrhundert Stiftungsarbeit.

          Was hat Sie vor einem guten Vierteljahrhundert veranlasst, die Börne-Stiftung ins Leben zu rufen?

          Hubert Spiegel

          Redakteur im Feuilleton.

          Ich habe meine Berufslaufbahn bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung als Redakteur begonnen und bin nach einigen Jahren ins Bankfach gewechselt, aber dem Schreiben bis heute treu geblieben. Als ich dann nach einigen, erfolgreichen Jahren in New York zurückkehrte, wollte ich der Gesellschaft etwas zurückgeben. Das war die persönliche Motivation, zu der die politische Motivation hinzukam: Es war damals die Zeit nach der Wiedervereinigung, als die rechtsradikalen Unruhen in Ostdeutschland begonnen haben, Stichwort Hoyerswerda, und ich wollte mit dem Börne-Preis für Toleranz und Freiheit werben. Wenn man in Frankfurt geboren ist, selbst schreibt und den genannten Werten verpflichtet ist, landet man unweigerlich bei dem aus der Stadt vertriebenen Juden Ludwig Börne.

          Börne war damals nicht vergessen, aber auch nicht gerade populär. Dennoch war der Preis schnell etabliert. Mit welcher Strategie ist Ihnen das gelungen?

          Mir war schnell klar, dass ein solcher Preis, soll er Wirkung erzielen, ein komplexes Vorhaben ist. Er darf nicht an eine einzelne Institution geknüpft sein, dann interessieren sich die anderen schon aus Konkurrenzgründen ostentativ nicht dafür. Deshalb muss zunächst einmal der Vorstand breit aufgestellt sein. Ich habe mich zuerst an Andreas von Schöler, den damaligen Frankfurter Oberbürgermeister, gewandt und um die Paulskirche als Veranstaltungsort gebeten – schließlich hatten wir von Anfang an dieses Symbol im Blick, den Ort der ersten deutschen Nationalversammlung und damit so etwas wie eine Keimzelle der Demokratie in Deutschland. Die Stadt Frankfurt in Gestalt des Oberbürgermeisters und der Kulturdezernentin nahmen Einsitz in den Stiftungsvorstand, und ungeachtet aller politischen und persönlichen Wechsel ist sie dem Preis bis heute eng verbunden. Als mein Freund und früherer Kollege Marcel Reich-Ranicki, der in der Gründungsphase mein engster Berater war, als erster Juror und Laudator bekanntgegeben wurde, hatten wir uns größtmögliche literarische Kompetenz und Publizität gesichert und gleichzeitig erreicht, dass die Paulskirche schon bei der ersten Preisverleihung bis auf den letzten Platz gefüllt sein würde. Dann baten wir noch den Intendanten des ZDF und Hubert Burda an Bord, die beide dem Stiftungsvorstand bis heute angehören, und hatten nationale, nicht nur regionale Aufmerksamkeit in kurzer Frist erreicht.

          Gründer der Ludwig-Börne-Stiftung: Michael Gotthelf

          Aber es muss auch Krisenmomente gegeben haben. Gab es nie Streit hinter den Kulissen oder Ärger über die Entscheidungen der Juroren, die den jeweiligen Preisträger ja allein bestimmen dürfen?

          Nach wenigen Jahren waren wir zwar etabliert, aber nun wuchsen die Begehrlichkeiten. Das hatte zunächst mit Reich-Ranicki zu tun. Als Novize hatte ich weitgehend auf seinen Rat gehört, aber als ich dann begann, ab und zu eigene oder sogar abweichende Ansichten zu äußern, kollidierte dies mit seiner Idee, die Preisrichter eigentlich allein bestimmen zu wollen. Und diese sollten natürlich aus seinem aufgrund seiner polarisierenden Art zunehmend kleiner werdenden Freundeskreis stammen. Kurzum, es kam zum Eklat. In einem sehr lauten Telefongespräch zieh er mich der Inkompetenz, drohte damit, unsere Verbindung komplett abzubrechen, und legte auf, nachdem ich nicht willens war, seinen „Anweisungen“ zu folgen – was den Preis ins Abseits manövriert hätte. Zwei Wochen später rief er wieder an, tat, als habe es nie einen Streit zwischen uns gegeben, und genau genommen wurden wir erst nach dieser kleinen Machtprobe richtige Freunde. Er kam bis zuletzt zu jeder Preisverleihung.

          Waren Sie immer mit den Entscheidungen Ihrer Preisrichter einverstanden?

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