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Martin Suter im Interview : Unsere Sorgen sind existentiell

Was würde der Held seines neuen Romans dazu sagen? Martin Suter über die Probleme der Schweizer Buchbranche Bild: Helmut Fricke

Die Schweizer Buchbranche steckt wegen des starken Franken in der Krise. Ein Gespräch mit dem Bestseller-Autor Martin Suter über knappe Kalkulationen und die Erkenntnis, dass es anderswo auch ganz schön ist.

          2 Min.

          Herr Suter, jüngst hat die Schweizer Notenbank die Anbindung des Frankens an den Euro aufgekündigt, was die Schweizer Währung über Nacht sehr teuer machte. Wie wirkt sich dieser Schritt auf das Selbstverständnis der Schweizer aus?

          Sandra Kegel
          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

          Die etwas kurzsichtigen sind stolz auf den starken Franken. Den anderen bereitet es Sorgen, oft existentielle.

          Auch die Schweizer Verlage leiden unter der Abkoppelung des Frankens vom Euro. Die Rede ist von Verlusten von bis zu zwanzig Prozent. Jetzt hat sogar Ihr Verlag, Diogenes aus Zürich, beschlossen, aus Spargründen nicht an der im Herbst anstehenden Frankfurter Buchmesse teilzunehmen. Was sagen Sie dazu?

          Ich habe die Nachricht mit einem kurzen Schrecken und gleich darauf mit nachhaltiger Bewunderung aufgenommen. Die Entscheidung ist nur konsequent und beweist den Ernst der Lage und den Willen des Diogenes Verlags, rechtzeitig wirkungsvolle Maßnahmen zu ergreifen.

          Was bekommt der Bestsellerautor Martin Suter von der schwierigen Lage der Schweizer Verlage mit?

          Für einige Schweizer Verlage ist der Euromarkt der wichtigste. Sie können sich denken, was es für ohnehin knapp kalkulierende Unternehmen bedeutet, plötzlich fünfzehn bis zwanzig Prozent weniger Einnahmen als kalkuliert zu haben. Diogenes ist zu schmerzhaften Reaktionen gezwungen. Und für mich bedeutet es natürlich dasselbe: Auch ich verdiene jetzt weniger mit meinen Büchern.

          Sie sind viel im Ausland auf Lesereisen unterwegs. Wenn Sie sich in Euro auszahlen lassen, sind Sie, ob Sie wollen oder nicht, finanziell im Nachteil. Das hält Sie aber offenbar nicht davon ab, im Ausland zu lesen, wie Ihre aktuelle sechswöchige Lesetournee eindrucksvoll beweist?

          Lesereisen sind für mich vor allem große Treffen mit meinen Lesern. Und natürlich sind sie auch Werbetouren für meine Bücher. Da fällt die Verminderung der Lesungshonorare nicht so sehr ins Gewicht. Der große Brocken aber sind die Buchverkäufe. Die meisten meiner Bücher werden nämlich in Euro bezahlt, mit denen wir dann die teuren Franken kaufen müssen.

          Schweizer Verlage sind außerdem in Bedrängnis, weil in Ihrem Land die Buchpreisbindung vor einigen Jahren praktisch abgeschafft wurde. Seither gibt es Websites, auf denen man mit einem Klick herausfinden kann, wo Ihre Bücher am preiswertesten angeboten werden. Die Preisunterschiede schwanken gewaltig: Ihr neuester Roman, „Montecristo“, kostet zum Beispiel zwischen 21,05 Franken ohne zusätzliche Versandkosten und 32,90 Franken inklusive 6,95 Franken Porto. Ärgert Sie das?

          Natürlich ärgert mich die kurzsichtige Abschaffung der Buchpreisbindung in der Schweiz. Sie war ein hervorragendes Instrument, um die Vielseitigkeit der Literatur zu erhalten, und hätte den Verlagen und Buchhändlern gerade in der jetzigen Situation geholfen, die gravierendsten Folgen der Währungskrise abzufedern. Unsere Regierung sah das auch so und wollte die Buchpreisbindung deshalb wieder einführen. Aber die Profilneurosen der Jugendsektionen unserer beiden angeblich wirtschaftsfreundlichsten Parteien haben das verhindert, und nun stehen sie betreten vor ihrem Scherbenhaufen.

          Was würde Jonas Brand, der Held Ihres Romans, dazu sagen?

          Sch ...!

          Haben Sie eine Idee, wie sich Schweizer Verlage und Schweizer Schriftsteller gegen die Folgen des teuren Franken zur Wehr setzen können? Man hört schon von Verlegern aus Zürich, die tatsächlich überlegen, nach Deutschland zu gehen. Wäre das auch eine Option für Sie?

          Das verstehe ich. Den Schweizer Verlagen geht es wie allen, die ihr Geld in Euro verdienen: Sie können sich die Schweiz kaum mehr leisten. Was die Schriftsteller angeht, vermute ich, dass die wissen, dass es noch andere schöne Länder gibt. In denen kann man mit Euro bezahlen. Und was konkret meine Familie und mich betrifft: Wir haben uns im letzten Sommer zwischen Spanien und der Schweiz entscheiden müssen und sind schließlich in Zürich gelandet. Vielleicht müssen wir auf Spanien zurückkommen.

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