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Lese-Community „LovelyBooks“ : Die wahren Vorlieben der Leserschaft

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Fast alle Portale - auch Reader2, Bookjetty, Bookswelike oder Listal gehören dazu - greifen neben eigenen Datenbanken auf den Amazon-Katalog zu. Die meisten von ihnen liefern aber auch nicht viel mehr als Amazon selbst, nämlich eine Vielzahl an individuellen Bewertungen und diverse Bücherlisten. LovelyBooks hebt sich von den meisten Wettbewerbern ab durch die Strategie, die Autoren sehr viel stärker einzubinden. Permanent finden hier autormoderierte „Leserunden“ statt (als Köder dienen Freiexemplar-Verlosungen). Häufig gibt es Livestream-Lesungen, bei denen Rückfragen aus der Community möglich sind. Außerdem sind viele Autoren jederzeit im Netzwerk erreichbar. Auch Self-Publishing-Autoren sollen in Zukunft stärker eingebunden werden.

Der Grundgedanke von LovelyBooks, so Sandra Dittert, sei immer noch derselbe wie bei der Gründung: Es gehe um das Entdecken, Diskutieren und Empfehlen von Büchern sowie um Autor-Leser-Vernetzung. Doch die Ansprüche der Nutzer hätten sich verändert, vor allem in den letzten Jahren, in denen auch die Bedeutung des E-Books zugenommen habe. Die Mitglieder legten nun mehr Wert auf Community-Funktionen zum quasi lesesimultanen Austausch und auf das Stöber-Erlebnis wie in einer Buchhandlung. In diesem Sinne wurde LovelyBooks vor zwei Jahren umfassend überarbeitet. Das Portal unterscheidet sich seither in der Optik stark von Angeboten, die für die gezielte Suche nach Titeln optimiert sind. Stattdessen bekommt man zum Einstieg zahlreiche Kategorien mit Empfehlungen aus der Community, Autoren-Aktionen und nutzergenerierte Hitlisten angeboten. Kurzkommentare poppen neben großen Buchcovern auf.

„Wir wollen eine Wohlfühlatmosphäre schaffen, die es Lesern leichtmacht, immer etwas Neues und Unerwartetes in der Bücherwelt zu entdecken und sich miteinander zu vernetzen“, sagt die Geschäftsführerin in vollendeter Werberhetorik. Der „Social Reading Stream“ kann in andere Websites eingebaut werden oder ist gleich aus dem E-Book erreichbar. Mit der neuen Funktion des prozentgenauen „Lesestatus“ sei man einem Nutzerwunsch nachgekommen. „Lesechroniken“ nach dem Muster „Schnappatmung auf Seite 187“ lassen sich mit anderen Nutzern teilen. Das Konzept bewährt sich offenbar. Die Nutzerzahlen haben sich in den letzten beiden Jahren verdreifacht auf heute 1,2 Millionen Unique User im Monat bei 165 000 angemeldeten Mitgliedern.

Ökonomisch betrachtet, handelt es sich um effektive Verlags-PR, bei der die Holtzbrinck-Verlage übrigens keineswegs bevorzugt behandelt werden. Zahlen zum Budget gibt man bei LovelyBooks nicht heraus, aber die Rechnung scheint aufzugehen; immerhin muss ein Team von zehn Mitarbeitern und viel Technik bezahlt werden. Die Nutzung der Website ist für Leser und Autoren kostenlos. Das Geschäftsmodell beruht auf Werbe- und Affiliate-Erlösen. Geld kommt also vor allem herein durch Anzeigen auf der Website, durch Verlinkungen zu Buchhändlern - etwa zur Amazon-Seite - oder durch individuelle Paketangebote an Verlage: LovelyBooks übernimmt dann beispielsweise die gesamte Abwicklung einer Livestream-Lesung.

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