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Lese-Community „LovelyBooks“ : Die wahren Vorlieben der Leserschaft

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Fast alle anderen Hitlisten sind bis zum Rand mit Unterhaltungsliteratur gefüllt. Vermutlich ist das lediglich ein Abbild der wahren Vorlieben der deutschen Leserschaft. Doch es ist etwas anderes, was an LovelyBooks auffällt: der respektvolle Umgangston. Statt Zynismus und Aggression, wie sonst so verbreitet in großen Internetforen, gibt es hier nichts als Wohlwollen. Das mag daran liegen, dass Frauen in der Mehrheit sind. Vielleicht sind Leser auch einfach bessere Menschen.

Vor etwa zehn Jahren schwappte eine wahre Gründungswelle für Online-Bücherplauderzirkel durch das Netz. Fast immer ging es um individuelle Buchregalvergleiche im Sozialen Netzwerk, eine typische Idee aus der Hochphase des Web 2.0. So hat auch LovelyBooks im Jahr 2006 begonnen und seinen Grundstock an Lesermeinungen aufgebaut. Heute stehen hinter den größten Social-Reading-Netzwerken längst die Branchenriesen, schließlich lassen sich hier nicht nur mengenweise Bücher verkaufen, sondern auch aussagekräftige Kundenprofile gewinnen. LovelyBooks, betrieben von der Aboutbooks GmbH, einer hundertprozentigen Tochter der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, hat die übrigen hiesigen Bücher-Communities wie Buechertreff, Reliwa, Vorablesen oder Bloggdeinbuch abgehängt, steht aber international großen, mehrsprachigen Konkurrenten gegenüber. Der Schatten eines guten Bekannten fällt auch über diese Branche, wenngleich Sandra Dittert, die Geschäftsführerin von LovelyBooks, im Gespräch mit dieser Zeitung keineswegs von einem Angstgegner sprechen möchte.

Amazon sammelt Leserkommentare nicht nur auf seiner Hauptseite an. Der Gigant aus dem Silicon Valley übernahm im Jahr 2008 auch das große Buchnetzwerk Shelfari und kaufte sich via Abebooks als Minderheitsgesellschafter in das ähnliche Angebot Librarything ein. Vor allem aber besitzt Amazon seit 2013 - und längst elegant mit den Digitalangeboten aus dem Kindle-Universum verwoben - das Portal Goodreads, das heute dreißig Millionen Mitglieder zählt. Bei Amazons Töchtern geht es allerdings immer aggressiver um Marketing und Verkauf, nicht mehr so sehr um das Community-Erlebnis. Das könnte ein entscheidender Fehler sein.

Die Konkurrenz machte oft keine gute Figur. Englische Verlage beteiligten sich im Jahre 2010 am Kauf des aus Hongkong stammenden Portals Anobii, das unter Führung des Medienunternehmens HMV zur Amazon-Alternative ausgebaut werden sollte. Die Anteilsmehrheit aber ging schon 2012 an die Supermarktkette Sainsbury’s über, welche den zugehörigen E-Book-Store abtrennte und die Plattform weiterverkaufte an den italienischen Verlagskonzern Mondadori.

Was von der Community nach der Odyssee übrig blieb, wirkt nicht gerade aufregend. Gewissermaßen das amerikanische Pendant zu Anobii sollte Bookish sein, ein weiteres Buchportal mit allem Empfehlungs-Klimbim, das drei der größten amerikanischen Verlagshäuser - Hachette, Penguin und Simon & Schuster - nach vielen Querelen 2013 an den Start brachten. Bereits ein Jahr später wurde es dem jungen E-Book-Anbieter Zola Books zur Ausschlachtung überlassen. Das im Jahr 2009 mit viel Tamtam gegründete Sozialnetzwerk Bookarmy des amerikanischen Verlags HarperCollins, der zu Rupert Murdochs News Corporation gehört, hielt sogar nur ein Jahr durch.

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