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Teilumzug S. Fischer : Wo steht die Literaturstadt Frankfurt heute?

  • -Aktualisiert am

Gehen diese Frankfurter Lichter aus? 2018 feierte der Verlag S. Fischer sein Buchmessefest im Literaturhaus der Stadt. Bild: Michael Braunschädel

Der Traditionsverlag S. Fischer will in Zukunft seine Aktivitäten auch von Berlin aus steuern. Nach den Wegzügen von Suhrkamp und Eichborn bedeutet das für seinen bisherigen Hauptsitz einen weiteren Schlag. Ein Gastbeitrag.

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          Michael Ciminos Spätwestern „Heaven’s Gate“ ist ein Fanal für Misswirtschaft und Fehlentscheidungen. Christopher Walken darf darin den Satz sagen: „Ein Mann beginnt nichts, was er nicht auch beenden kann.“ Ähnlich viril ging es zu an einem Frankfurter Märzabend 2011. Das letzte große Zittern hatte damals aber eine Frau ausgelöst. Auf Sockelhöhe der Banktürme gab es eine Podiumsdiskussion zur heiklen Frage „Wo steht die Literaturstadt Frankfurt heute?“ Zu diesem Zeitpunkt hatte die Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz den Suhrkamp Verlag bereits nach Berlin umgesiedelt. Die Verlage Baumhaus und Eichborn waren ebenfalls gerade weggezogen. Auf dem Podium saß auch Uwe Rosenfeld, der langjährige Geschäftsführer der Fischer-Verlage. Mit einer Ruhe, die man in Stein hätte meißeln können, sagte er damals: „S. Fischer bleibt in Frankfurt, es gibt keine Veranlassung, wegzugehen. Wir werden den Teufel tun, hier wegzugehen!“ Und schob schmunzelnd nach: „Obwohl der Verlag S. Fischer in Berlin gegründet wurde.“

          Bald wurde es wechselhafter am Verlagssitz der Fischer-Verlage. Denn 2017 kam die vormalige Ullstein-Verlegerin Siv Bublitz. Sie sollte das Haus in die Zukunft führen, gemeinsam mit dem langjährigen Verleger Jörg Bong. Der zog sich aber früh zurück und schreibt erfolgreich Bücher, über die Revolution von 1848 oder als Jean-Luc Bannalec bretonische Krimis. Erst starb die Verlagsikone Monika ­Schoeller, dann Uwe Rosenfeld. Lauter Einschläge. Und obendrauf kam die Pandemie. Die Verlegerin Bublitz hatte ein leerstehendes Verlagshaus über Video­kacheln zu dirigieren, kontrollierte Prozesse und hielt Autorinnen und Autoren beim Verlag, während über die lauten Abgänge von Monika Maron und Thomas Brussig berichtet wurde. Die übereilige Absetzung von Bublitz durch die Verlagsgruppe Holtzbrinck bleibt für Branchen-Insider unverständlich.

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