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Buchmesse in Havanna : Kuba konfisziert deutsche Bücher

Fidel geht noch immer. Analysen des Führerkults in der Moderne sollen in Kuba aber nicht gelesen werden. Bild: dpa

Aller Annäherung zum Trotz: Auf der Buchmesse dürfen die Kubaner bestimmte Bücher nicht lesen. Den betroffenen Verleger erinnert das an die DDR.

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          Dass die Rede vom Tauwetter zwischen den Vereinigten Staaten und Kuba vorschnell war, hat uns nicht erst Donald Trump gelehrt. Auch die Bundesregierung musste in der Weigerung der kubanischen Regierung, ein Goethe-Institut auf der Insel zuzulassen, ein Zeichen für den ideologischen Starrsinn des Castro-Regimes erkennen. Jetzt haben die kubanischen Behörden auf der Internationalen Buchmesse von Havanna, die letzten Sonntag zu Ende ging, am deutschen Gemeinschaftsstand Bücher des Ch. Links Verlags beschlagnahmt.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Es handelt sich um Titel, welche die politische Entwicklung in Kuba behandeln, etwa Hannes Bahrmanns „Abschied vom Mythos - Sechs Jahrzehnte kubanische Revolution“ sowie das historische Lesebuch „Revolutionen“, herausgegeben von Patrick Oelze. Der Verleger Christoph Links sagte dieser Zeitung, die beiden „bulligen Männer“ hätten außerdem auf der Herausgabe des Zweitexemplars bestanden.

          „Wie in der DDR“

          Am Tag darauf seien sie wiedergekommen und hätten zwei weitere Titel beanstandet, nämlich die Anthologien „Oh Du, geliebter Führer - Personenkult im 20. und 21. Jahrhundert“ sowie „Ostalgie international - Erinnerungen an die DDR von Nicaragua bis Vietnam“, beide herausgegeben von Thomas Kunze und Thomas Vogel. Der Verlag habe die beiden letzten Titel aus der Auslage entfernen müssen; die beiden konfiszierten Bücher habe man nie wiedergesehen.

          „Dieses Vorgehen erinnert an die Zensurpraxis der DDR-Staatssicherheit, die einst auf der Leipziger Buchmesse so mit unliebsamen Büchern aus der Bundesrepublik umgegangen ist“, sagte Christoph Links in einer Presseerklärung. „Aber die Stasi hat wenigstens noch eine Quittung ausgestellt und den Preis ersetzt.“ Gegenüber dieser Zeitung forderte der Verleger die Bundesregierung auf, zu den Vorgängen Stellung zu nehmen. Der deutsche Gemeinschaftsstand auf der Internationalen Buchmesse von Havanna, auf dem der Ch. Links Verlag ausgestellt hat, wurde mit Mitteln des Auswärtigen Amtes finanziert.

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