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Sachbücher im Aufwind : Kompass für die Spannungslage

  • -Aktualisiert am

Aufklärung in kurzweiliger Form: Sachbücher sind so gefragt wie lange nicht mehr. Bild: dpa

Während die Belletristik an Lesern verliert, befinden sich Sachbücher seit einiger Zeit im Aufwind. Besonders erfolgreich sind Ernährungsratgeber, naturkundliche Abhandlungen – und Michelle Obama. Wie kommt das?

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          Kaum etwas bringt Kulturpessimisten so zuverlässig auf Touren wie sinkende Leserzahlen. Die Abkehr vom Buch betrachten sie oft als Symptom allgemeiner Verfallserscheinungen, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt bedrohen. Deswegen kam es im vergangenen Jahr zu Schockzuständen im Literaturbetrieb, als der Börsenverein des Deutschen Buchhandels eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung veröffentlichte. Darin war aufgeführt, was viele schon ahnten oder zu wissen meinten: Zwischen 2013 und 2017 haben sechs Millionen Deutsche, die vorher so etwas wie ein Leseleben führten, keine Bücher mehr erworben. Die Verkäufe der Buchhandlungen sanken um fünf, die Umsätze um 1,6 Prozent. Insofern erfuhr die Krise des Lesens eine offizielle Würdigung und ließ sich nicht länger als Fata Morgana abtun.

          Dann aber präsentierte der Börsenverein im vergangenen Sommer neue Erkenntnisse, die der inzwischen vielfach gestellten Diagnose, die Leseratten würden mit dem sinkenden Schiff untergehen, widersprachen: 2018 belief sich die Zahl der Buchkäufer auf fast 30 Millionen und ist damit zum ersten Mal seit 2012 wieder gestiegen. Mit 31,5 Prozent Umsatzanteil verzeichnete die Belletristik als stärkste Gruppe ein Minus von 0,9 Prozent und landete etwas unter dem Niveau des Vorjahrs. Die Sachbücher hingegen legten um 5,5 Prozent zu und machten knapp elf Prozent des Gesamtumsatzes aus. Zudem wurden weniger neue Belletristik-Titel aufgelegt, während es in den Bereichen Sozialwissenschaften, Geschichte, Politik und Wirtschaft eine erhöhte Nachfrage gab.

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