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Literatur im Ausnahmezustand : Im Prognosefieber

  • -Aktualisiert am

Da kann man nur das Orakel fragen: Sich faktisch auszumalen, wo wir uns in einem Jahr befinden werden, ist momentan sehr schwer möglich. Bild: Picture-Alliance

Wenn alles auf einmal passiert, schreibt man anders: Was Literatur in diesen Zeiten leisten kann – und muss. Ein Gastbeitrag.

          6 Min.

          Keine Sorge, ich werde diesen Zustand nicht zu beschreiben versuchen. Zu schnell bewegt sich alles, zu wenig aussagekräftig erscheinen die einzelnen Phänomene zu sein, mit denen wir uns herumschlagen. Morgen werden sie schon abgelöst durch neue Nachrichten. Eben lebten wir noch in der Zeit der Verabschiedung, der Absagekultur, der Verschiebung aller Termine und der Vertröstung auf irgendeinen Mai, schon üben wir social distancing und richten uns im Zustand der Vorbereitung ein, auf die Krise, auf den Versorgungsengpass, der gleichzeitig dementiert wird.

          Gewisse Einkäufe sind getätigt, der Bau von Krankenhäusern wird nun in die Wege geleitet, von Umfunktionierung von Hotels und Messehallen wird gesprochen. Zuerst wurde das öffentliche Leben stillgestellt, das Sozialleben eingefroren, und nun bewegen wir uns in einer Phase, in der Unterstützungsleistungen eingeteilt werden. Die Zeit des medizinischen Personals und des Versorgungswesens ist längst angebrochen. Virologen werden noch eine ganze Weile neben Politikern abgebildet werden, und Angela Merkel wird in diesen Bildern nicht ohne Grund eine der wenigen öffentlichen Frauen (neben Christine Lagarde und Ursula von der Leyen) darstellen, es ist die Zeit althergebrachter Bildpolitik.

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