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Literaturbetrieb in Asien : Schriftsteller ohne Unterstützung

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Heinrich Böll kam bis Kampot: Gelesen wurde dort jedoch nichts von ihm. Bild: F.A.Z.

Kann das wahr sein? Das „Kampot Readers & Writers Festival“ hat keine einheimischen Autoren zu bieten. Auf der Suche nach kambodschanischer Literatur.

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          Das Erste, was dem Besucher des „Kampot Readers & Writers Festival“ auffällt, ist, dass es in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh beginnt, nicht in dem Urlaubsort, dessen Namen es trägt. Der Eröffnungsabend in einer schicken Bar namens „Chinese House“ ist glamourös: Jung Chang ist hier, die Autorin des Weltbestsellers „Wilde Schwäne“, daneben auch Ko-Autorin einer wichtigen Mao-Biographie. Für sie sei es etwas Besonderes, dabei zu sein, sagt Jung Chang, sei die chinesische Kulturrevolution doch ein wichtiges Vorbild für das albtraumhafte Regime gewesen, das die Roten Khmer zwischen 1975 und 1979 in Kambodscha errichteten. Auch Madeleine Thien ist da, eine kanadische Autorin mit chinesisch-malaysischem Hintergrund, die den wohl besten Roman aus Außensicht (auf Deutsch: „Flüchtige Seelen“) über den kambodschanischen Selbstgenozid geschrieben hat. Mit ihrem neuen Buch, das in China spielt („Sag nicht, wir hätten gar nichts“), war sie für den renommierten englischen Man Booker Prize nominiert.

          Wer allerdings nicht da ist, das sind kambodschanische Schriftsteller oder Festivalbesucher. Daran ändert sich auch nichts am zweiten Abend, der nun doch in Kampot stattfindet, wo das Festival noch einmal mit einem großen Konzert eröffnet wird. Abgesehen von den Auftritten einer Gruppe kanadischer Schriftsteller, die von der Botschaft ihres Landes unterstützt werden, gibt es sowieso deutlich mehr Musik- und Filmveranstaltungen als Lesungen auf diesem „Leser- und Autorenfestival“. Die erste literarische Veranstaltung soll spätnachts auf einer Nebenbühne stattfinden: Der amerikanische, in Kambodscha lebende Autor Tim LaRocca liest aus seinem Phnom-Penh-Thriller „Midnight in Cambodia“. Ein angekündigter Lyrik-Workshop fällt aus.

          Neunzig Prozent aller kambodschanischen Intellektuellen

          Der australische Festivalleiter Julien Poulson, im Hauptberuf Musik-Promoter und Gitarrist in der Rockband „Cambodian Space Projekt“, begründet die Abwesenheit kambodschanischer Autoren auf seiner Veranstaltung damit, dass anwesende Musiker wie Master Kong Nay für eine spezielle Tradition kambodschanischer Literatur stünden, die älter sei als Shakespeare. Tatsächlich ist Kong ein Virtuose der Chapei dong veng, einer Art kambodschanischer Gitarre mit zwei Saiten, deren Spiel bisweilen von improvisierter Lyrik begleitet wird. Und leider, so Poulson, stagniere die kambodschanische Literatur seit mehreren Jahren. Warum er dann nicht gleich ein Musikfestival veranstalte? Das würde er sowieso auch machen. Sagt’s, springt auf und ruft, er müsse leider zur Bühne, man könne sich später weiterunterhalten.

          Am nächsten Morgen wird dem Organisationskomitee die Frage gestellt, warum keine kambodschanischen Schriftsteller am Festival teilnehmen und ob es nicht gut wäre, generell mehr Autoren einzuladen. Diesmal kommt als Antwort, das Terrorregime von Pol Pot habe die kambodschanische Literatur zerstört. Eingeladene kambodschanische Exilautoren hätten kurzfristig abgesagt – so war Loung Ung angekündigt, die Autorin der Buchvorlage zu Angelina Jolies Rote-Khmer-Film „Der weite Weg der Hoffnung“, der in diesem Herbst auf Netflix veröffentlicht wurde. Fünf Minuten später heißt es dann, es nähmen ja zwei junge einheimische Autoren teil, die die ersten Plätze beim Literaturwettbewerb des Festivals belegt hätten. Die beiden stellen sich als ein freundlicher junger Mann und eine ebenso freundliche junge Frau heraus, 21 und siebzehn Jahre alt, die jeweils noch nie zuvor etwas Literarisches veröffentlicht und den Wettbewerb mit einer auf Englisch – nicht ihre Muttersprache – geschriebenen Kurzgeschichte gewonnen haben.

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