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Junge Lektoren über ihre Arbeit : Wie findet man den nächsten Thomas Mann?

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Die Werkzeuge des Schreibens haben sich verändert. Wie steht es mit denen zum Finden guter Literatur? Blick auf eine alte Continental-Schreibmaschine Bild: Picture-Alliance

In den Buchverlagen sind Lektoren diejenigen, die Autoren ermutigen, kritisieren und ihnen ihre Bedeutung glaubhaft versichern. Aber wie funktioniert das in Zeiten von Facebook und Instagram? Sieben junge Lektoren berichten von ihrer Arbeit.

          Friederike Schilbach, Lektorin bei S. Fischer

          Wer ist einzigartig?

          Manuskripte sind Wundertüten. Ich liebe es, die erste Seite eines PDF zu öffnen und zu schauen, was ich dort zu lesen bekomme. Ich arbeite im Lektorat für internationale Literatur und suche vor allem im amerikanischen, englischen, französischen Raum nach Stimmen, die gegenwärtig, markant, einzigartig sind. Inspiration finde ich überall. Das kann eine Rezension im „New Yorker“ sein (dort las ich eine glänzende Besprechung des Debüts von Ocean Vuong). Oder der super sortierte Buchladen McNally Jackson in SoHo (dort lag Jarett Kobeks Buch „Ich hasse dieses Internet“ schon in dicken Stapeln, während meine Kollegen und ich noch in einer Auktion um die deutschen Rechte waren). Oder der Libreria Bookshop in Shoreditch, wo es weder Kaffee noch WiFi gibt, aber die spannendsten Neuerscheinungen, auch Essays, Memoirs und Lyrik.

          Buchläden sind immer meine erste Anlaufstelle - ich lese sie als Selbstporträt der Städte, in die ich reise. Sie geben mir ein Gefühl für Stimmungen, Themen, Diskurse. Dazu gehören auch die toll bestückten Magazin-Regale mit Heften wie der „Paris Review“, „The Happy Reader“ oder „Zyzzyva“. Und Publikationen von spektakulären Kleinverlagen wie Fitzcarraldo Editions. Oder Buchcover von Gestaltern wie Peter Mendelsund, die ich immer sofort kaufen muss.

          Aber das Allerwichtigste ist der Kontakt mit internationalen Lektorenkollegen. Durch ihre Empfehlungen finden Manuskripte zu mir, die ich sonst vielleicht nie gelesen hätte. Sarah Crichton vom New Yorker Verlag FSG erzählte mir von Leanne Shapton und ihrem Buch „Bedeutende Objekte“. Peter van der Zwaag vom Amsterdamer Verlag De Bezige Bij schrieb mir von dem Roman „Das Ende von Eddy“ von Édouard Louis, den er gerade für seinen Markt prüfte. Sie sind meine Freunde, meine Komplizen. Wir alle sind auf der Suche nach dem einen Text, der uns nahekommt, überrascht, schneller lesen lässt, bis wir wissen: Das ist es. Sprachen trennen uns, nicht aber unsere Begeisterung - und die nie endende Neugier auf immer neue Wundertüten.

          Friederike Schilbach
          (35, Lektorin für internationale Literatur im Verlag S. Fischer in Berlin)

          Tom Müller, Lektor bei Blumenbar

          Stimmt der Stallgeruch?

          In jüngeren Jahren begeisterte ich mich sehr für die Reisejournale von Georg Forster, der mit James Cook die Südsee entdeckte. Die Vorstellung von einer Schiffsexpedition „mit sechzig Fässern Sauerkraut, dreißig Tonnen Malz, einunddreißig Fässern Würze und eingekochtem Bier“ bereitete mir Herzklopfen. Nach einer Weltreise und vier Jahren als Lektor beim Berliner Aufbau-Verlag muss ich mir eingestehen, dass es heutzutage zwar viel zu sehen, aber wenig zu entdecken gibt. Auch im Literaturbetrieb.

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