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Jane Austens Sidekicks (VI) : Die neuen Mieter legen Hand an

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Tatsächlich sind die Crofts in so ziemlich allem das Gegenteil von dem, für das Sir Walter steht: Sie sind unkompliziert, aufgeschlossen und voller common sense. Den elaborierten Formen, mit denen Sir Walter, seine Töchter Elizabeth und Mary, aber auch Lady Russell, die mütterliche Freundin Anne Elliots, ihre soziale Distinktion zelebrieren, stehen sie mit ironischer Distanz gegenüber. Für die Lächerlichkeit, die sich aus der Diskrepanz zwischen dem Anspruch auf Zugehörigkeit zur Elite und der Unfähigkeit, ihm zu entsprechen, ergibt, haben die beiden einen klaren Blick.

Das zeigt die irritiert-amüsierte Art, in der Admiral Croft Anne bei deren erstem Besuch im alten Zuhause über das berichtet, was man so in Kellynch Hall vorgefunden habe: Während das Ankleidezimmer Sir Walters mit zahllosen riesigen Spiegeln vollgestellt ist, hat sich seit Jahren niemand um die notwendigen Reparaturen in der Waschküche und an den Kaminen gekümmert. Die Crofts zeigen sich als die wahren Herren von Kellynch Hall, indem sie Verantwortung übernehmen – für das Haus und für die dazugehörige Gemeinde, deren Wohlergehen immer noch stark von der Grundherrschaft abhängt. Eigenhändig entfernen sie die Spiegel, und Admiral Croft repariert die Tür zur Waschküche, die seit Jahren nicht mehr schließt, kurzerhand selbst. Für alles Weitere engagiert man die Handwerker vor Ort.

Die neue Legitimität ist erarbeitet

Die Episode hat eine wichtige Funktion für den Roman: Sie etabliert die Crofts als Vertreter der legitimen neuen herrschenden Klasse, weil sie die Aufgaben übernehmen, für die sich der per Ahnenreihe installierte Inhaber längst als unfähig und unwürdig erwiesen hat. Gleichzeitig begeht der Admiral in diesem Gespräch mit Anne einen Fauxpas: Auch wenn sie durch ihre Intelligenz und ihren Pragmatismus komplett aus der Art schlägt, noch ist sie eine Elliot – und der Admiral, von der für ihn fremden Welt Sir Walters quasi soziologisch fasziniert, erzählt ihr, was für ein lächerlicher Mensch ihr Vater ist. Im Prinzip wird Anne hier die Loyalitätsfrage gestellt. Annes Dilemma: Sie ist „amused in spite of herself“, aber auch „distressed“ angesichts der Frage, wie sie die Konversation weiterführen soll, diese löst der Admiral mit tollpatschiger Galanterie. Er bittet sie, dem Baronet sein Lob für Kellynch Hall auszurichten, qualmende Kamine inklusive.

Mit solchen mehr oder weniger offenen Konflikten zwischen der unverstellten, zupackenden Art der „neuen Männer“, die mit der Übernahme der alten Herrenhäuser auch ihren eigenen gesellschaftlichen Anspruch demonstrieren, und den gesellschaftlichen Konventionen bringt Austen erzählerische Dynamik in den Roman. Denn Anne Elliot, in deren Perspektive fast alles erzählt wird, sitzt doppelt in diesen gesellschaftlichen Konventionen fest: als Frau und als Elliot. Die Rückkehr des Admirals und seiner Kapitäne eröffnen auch ihr neue Handlungsräume.

Alles, was ihre Familie an Anne ablehnt, macht sie zu einem geschätzten Mitglied der neuen Gesellschaft der Marine-Familien um die Crofts: Im zweiten Anlauf finden Anne und der demobilisierte Kapitän Wentworth, ein Bruder von Mrs. Croft, der als Offizier zu Geld und Ansehen gekommen ist, nun doch noch zusammen. Vor acht Jahren hatte Anne die Verlobung mit ihm wegen seines fehlenden sozialen und ökonomischen Status auf Anraten ihrer Familie wieder gelöst. Der Aufstieg der „neuen Männer“ ermöglicht Jane Austen das letzte Happy End – und so etwas wie eine Utopie für das neue Britannien: „Sie zog ihren Ruhm daraus, die Frau eines Seemanns zu sein, (. . .) einer Profession zuzugehören, die, wenn das möglich ist, sich durch ihre häuslichen Tugenden noch mehr auszeichnet als durch ihre nationale Bedeutung.“ Die Publikation von „Persuasion“ 1818 hat Jane Austen nicht mehr erlebt.

Jane Austens Sidekicks

Die Nebenfiguren in den Romanen von Jane Austen sorgen nicht nur für komische Erleichterung im romantischen Plot. In diesen markanten Charakteren charakterisiert Austen zugleich ihre Zeit. Eine Feuilleton-Serie zum 200. Todestag der Schriftstellerin.

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