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Jane Austen und die „Alt-Right“ : Stolz aufs Vorurteil

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Jane Austens Scharfsinn ist alles andere als konservativ: Umso befremdlicher wirkt daher die rechte Vereinnahmung ihres Werks. Bild: Picture-Alliance

Die amerikanische Rechte feiert ausgerechnet Jane Austen als Symbol einer konservativen, behüteten Welt. Hat man hier lediglich eine Satire nicht verstanden, oder ist die Sache gar noch simpler?

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          Es ist eine allgemein anerkannte Tatsache, dass Aufmerksamkeit erlangt, wer sich mit dem Namen „Jane Austen“ schmückt. Das hat nun auch die amerikanische „Alt-Right“-Bewegung erkannt, wie die Anglistin Nicole M. Wright in „The Chronicle of Higher Education“ schreibt. In Online-Foren würden die „Alternativen Rechten“ nostalgisch-verträumt von der behüteten britischen Oberschicht des neunzehnten Jahrhunderts schwärmen. In ihrer Lesart wirkt ein Roman wie „Emma“, der eine hierarchische weiße Gesellschaft und traditionelle Ehen porträtiert, tatsächlich wie der Wunschtraum eines jeden Nationalisten: Keusche junge Damen in weißen Hauben unterwerfen sich gut gesitteten Herren in Frack, herrlich! Die Anforderungen, die das angestrebte Weltbild birgt, geben allerdings manchem zu denken.

          So äußert ein Nutzer des Portals „Counter Currents“ kleinlaut die Befürchtung, auch die Männer müssten sich bemühen, zu „Gentlemen“ zu werden, sollte die traditionelle Ehe à la „Stolz und Vorurteil“ wieder eingeführt werden. Das ist allerdings nicht die einzige Hürde: Der Scharfsinn einer Emma Woodhouse oder Elizabeth Bennet beispielsweise lässt an ihrer Unterwerfungsbereitschaft eher zweifeln, und insgesamt werben Austens Romane, liest man sie mit wachem Blick für die nur mit großer Anstrengung zu überlesende Ironie der Autorin, gerade nicht für die traditionelle Ehe, sondern stellen diese bloß – ein Befund, den die zeitlebens unverheiratete Austen offenbar auch privat beherzigte. Umso befremdlicher wirkt die rechte Vereinnahmung ihres Werks.

          Den Anstoß dazu gab Milo Yiannopoulos, ehemals Redakteur des populistischen amerikanischen Nachrichtenportals „Breitbart“. Den berühmten ersten Satz aus „Stolz und Vorurteil“, in dem Austen in deutlich ironischem Tonfall „die allgemein anerkannte Tatsache“ bekundet, „ein begüterter Junggeselle“ müsse „unbedingt nach einer Frau Ausschau halten“, verunstaltete Yiannopoulos kürzlich zu einer plumpen Stichelei: „Wie eine viktorianische Schriftstellerin es sagen würde: Es ist eine allgemein anerkannte Tatsache, dass hässliche Frauen eher als heiße Frauen dazu neigen, Feministinnen zu sein.“ Dass Austen zwanzig Jahre vor Beginn des viktorianischen Zeitalters starb, ist nur das geringste Ärgernis dieser Adaption. „Ein Buch ist ein Spiegel, aus dem kein Apostel herausgucken kann, wenn ein Affe hineinguckt“, mahnte schon Georg Christoph Lichtenberg. Vielleicht ist die Sache noch simpler: Im Zeitalter von Zitatsammlungsbüchern für Eilige muss sich kein Affe mehr mit dicken Romanen abmühen, um sich mit illustren Namen zu schmücken. Und verstehen muss er sie erst recht nicht.

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