https://www.faz.net/-gr0-a3kmb

Literaturfestival Berlin : Tiere nach dem Winterschlaf

Auch Graphic Novels erzählen Herkunftsgeschichten: Die deutsche Autorin Sheree Domingo in Berlin. Bild: Ali Ghandtschi

Das Internationale Literaturfestival Berlin bewährt sich als Stimulans gegen die Krise und zeigt Wildheit des Denkens statt geistiger Mund-Nase-Bedeckung.

          3 Min.

          Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass das Internationale Literaturfestival Berlin (ilb) in diesem Jahr die größte Veranstaltung ihrer Art in Europa bleiben wird. Erstaunlich war ja schon, dass das Festival überhaupt stattfand; erstaunlich ferner, wie pingelig und kreativ zugleich die Veranstalter mit den enormen Beschränkungen durch die Pandemie umgegangen sind; und ein Glück, dass auch das Septemberwetter mitgespielt hat. Manche Autoren, angereist von verschiedensten Punkten einer europäischen Geographie der Selbstisolation, wirkten auf der Bühne wie Tiere nach dem Winterschlaf, rieben sich die Augen und sprachen ins Mikrofon wie zur Sprechprobe: „Schön, dass ihr alle da seid!“

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Das galt auch umgekehrt: Schön, dass so viele Autoren die Risiken der Reise auf sich genommen hatten, von Olga Tokarczuk bis Olivier Guez, von Matias Faldbakken und Jacek Dehnel bis Mazen Maarouf. Der peruanische Nobelpreisträger Mario Vargas Llosa war für drei Veranstaltungen aus Madrid gekommen, und auch wenn seine Eröffnungsworte absolut vorhersehbar waren, diente seine Präsenz als Signal. Als der Vierundachtzigjährige, der auch das Genre des Diktatorenromans pflegt, auf der Bühne Frank-Walter Steinmeier mit „Señor Presidente“ ansprach, war noch etwas anderes gesagt: dass Geist und Macht miteinander reden können und Deutschland ein lesendes Staatsoberhaupt hat. Später wird uns vielleicht einmal aufgehen, dass das gar nicht so wenig ist.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Pfizer stellt den Impfstoff in Belgien und den Vereinigten Staaten her.

          Impfstoffherstellung : Qualitätsproblem bremst Biontech

          Pfizer und Biontech müssen ihrem hohen Tempo Tribut zollen und können nur halb so viele Impfstoffdosen liefern wie ursprünglich geplant. Wer macht das Rennen?
          Der Schriftzug von Wirecard an der Firmenzentrale

          Wirecard : Staatsanwaltschaft ermittelt gegen EY-Mitarbeiter

          Die Wirtschaftsprüfer stehen im Verdacht, sich schuldig gemacht zu haben im Fall Wirecard. Die Politik zweifelt auch an einem anderen Testat der Konkurrenz PWC.