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Im Interview: Autor Martin Schäuble : Daten sind kontrollierbar, Bücher frei

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Überwachung in Zukunft und Gegenwart: Martin Schäuble vor einem Kontrollturm vor der israelischen Siedlung Bet El bei Ramallah Bild: Fadi Arouri

In seinem Jugendbuch hat Martin Schäuble den Stand der Technik weitergedacht. Ein Gespräch über Altwissen, das digital manipulierbar wird, Datenbrillen und wechselseitige Überwachung mit eingeblendeten Zuschauerzahlen.

          7 Min.

          Sie haben vor kurzem einen Science-Fiction-Roman für Jugendliche veröffentlicht, der im Jahr 2035 spielt, aber in einigen Aspekten von der Wirklichkeit eingeholt zu werden scheint: Datenbrillen, über die Kommunikation und Überwachung jederzeit möglich ist; ein Geheimdienst, der die wechselseitige Beobachtung der Menschen auswertet; digitalisiertes Wissen, das heimlich manipuliert wird. Was ist das für ein Gefühl?

          Es fühlt sich so an, als hätte da jemand heimlich mein Manuskript gelesen, als es noch unveröffentlicht auf meiner Festplatte schlummerte. Ich wollte eine düstere Zukunftsvision schaffen. Rob, der Protagonist des Romans, lebt in einer High-tech-Welt, in der er vor lauter personifizierter Werbung, unterhaltenden Animationen und Online-Freundschaften kaum zum Atmen kommt. Ganz so weit sind wir dann doch noch nicht.

          Interessieren Sie sich für Technik?

          Spannend finde ich Technik besonders dann, wenn sie nicht funktioniert. Ein Beispiel: Bei einem Seminar, das ich einmal besuchte, kam ein Teilnehmer nachts nicht mehr in sein Zimmer. Die Batterie des Türöffners war leer, er reagierte nicht auf die Zimmerkarte. Die Rezeption war verlassen, der Ärmste musste auf dem Sofa im Fernsehraum schlafen. Was ein Zuviel an Technik mit uns und aus uns macht, das interessiert mich. Also eher die Dystopie als die Utopie. Trotzdem schaue ich natürlich im Kino „Star Trek“ und freue mich über den Warp-Antrieb.

          „Die Scanner“ ist Ihr erster Roman. Sie haben bislang drei Sachbücher veröffentlicht, in denen es um Israelis und Palästinenser geht, um den Nahen Osten, um den Dschihad. Was steckt hinter dem Themenwechsel und dem in die Fiktion?

          Sagen wir so, ich habe eine ganz bunte Phantasie, und in Sachbüchern sollte diese eher nicht ausgelebt werden. Zumal beim Wespennest Nahost-Konflikt unzählige echte und selbsternannte Experten auf sachliche Fehler warten. Was nicht heißt, dass manche Charaktere, die mir bei Sachbuch-Recherchen begegnen, nicht auch im Roman auftauchen dürfen, wenn auch nicht namentlich. Und im Roman darf ich mir die Zitate sogar ausdenken. Was für ein Luxus.

          Sie sagen von sich, dass Sie als Romanautor verarbeiten, was Sie auf Ihren Recherchen und Reisen erleben. Welche Erlebnisse haben Sie verarbeitet?

          Es sind mehr Bilder als ganze Szenen, die sich bei Reisen in den Kopf brennen. Ich passe sie meinen Geschichten an. Bei den „Scannern“ war es zum Beispiel das Chaos in den überfüllten Flüchtlingslagern von Gaza, die dunkle Enge und tiefe Armut in Neu-Delhi. Im Buch sind diese Bilder in der sogenannten C-Zone zu finden. Oder die mediale Gleichschaltung und TV-Dauerpräsenz in Iran, der medialen Entpolitisierung und Abstumpfung in heimischen Wohnzimmern gar nicht so weit entfernt. Und überall Menschen, die dagegen rebellieren, die anders sein und leben wollen.

          Sie leben für zwei Jahre in Ramallah. Schaut man von dort aus mit einem anderen Blick auf die Errungenschaften der Technik und ihre Implikationen?

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