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Himmlers Dienstkalender : Aus dem Alltag des Unmenschen

Getreuer Paladin des „Führers“: Heinrich Himmler (links) mit Adolf Hitler bei einer Fahrt im offenen Volkswagen im Frühjahr 1945 Bild: Ullstein

Blick ins Innere der Vernichtungsmaschinerie: Der Dienstkalender Heinrich Himmlers aus den Jahren 1943 bis 1945 ist in einer von Historikern kommentierten Edition erschienen. Sie legen die papierene Spur des größten Massenmörders aller Zeiten offen.

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          Man schlägt dieses Buch mit Widerwillen auf, und man schließt es mit einer Mischung aus Beklommenheit und Abscheu. So muss Asche schmecken. Asche von Akten. Die papierene Spur des größten Massenmörders aller Zeiten. Der schwarze Einband, die Ziegelform des Buches stellen klar, dass es sich eigentlich um einen Gedenkstein handelt, ein historiographisches Mahnmal. Am liebsten würde man es gleich ins Regal packen. Aber es hilft nichts, man muss es aufschlagen.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Die Geschichte des Dienstkalenders von Heinrich Himmler gleicht der vieler anderer Dokumente aus dem Innenleben des Nazi-Reichs, die bei Kriegsende in die Hände der Roten Armee gefallen waren. Im März 1946 wurden die Akten der Adjutantur des „Reichsführers SS“ an das sowjetische Innenministerium übergeben, acht Jahre später kamen sie ins Archiv des KGB. Dort ruhten sie bis zum Ende des Kalten Krieges. In den neunziger Jahren „entdeckten“ und veröffentlichten deutsche Historiker dann Himmlers Diensttagebücher aus den Jahren 1941 und 1942. Die Unterlagen aus den beiden folgenden Kriegsjahren blieben verschwunden, bis sie 2013 im Rahmen eines Digitalisierungsprojekts mit dem russischen Verteidigungsministerium in dessen Zentralarchiv in Podolsk auftauchten. Für die jetzige Veröffentlichung wurden sie um Teilbestände des von Himmler persönlich geführten Tischkalenders und seiner Telefonbuchnotizen sowie des Dienstkalenders von Januar bis März 1945 aus dem Bundesarchiv ergänzt.

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