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Hanna Kralls Schoa-Roman : Geschossen wird auf alle

  • -Aktualisiert am

Warschau, 1944: Die Ruinen der Okopowa-Straße im jüdischen Getto Bild: akg-images / East News

Ihr einziger Roman, „Die Untermieterin“, gilt als Meilenstein der literarischen Thematisierung der Schoa: Hanna Krall fand dafür Metaphern und Lebenswelten im Gespräch mit dem führenden Kopf des Aufstands im Warschauer Getto. Ein Gastbeitrag.

          7 Min.

          „Die Untermieterin“, ein Roman Hanna Kralls, wurde 1982 zur Zeit des Kriegsrechts in Polen verfasst, wo seine Publikation jedoch durch die Zensur verhindert wurde. Er erregte allerdings das Interesse des kleinen polnischen Exilverlags Libella und erschien 1985 erstmals in Paris. Kurz danach fand das Buch den Weg zurück nach Polen und wurde noch im gleichen Jahr im Untergrundverlag Oficyna Literacka in Krakau neu gedruckt. Noch bevor der Roman 1989 offiziell in Polen erscheinen konnte, wurde er mit dem „Untergrund-Preis“ der Gewerkschaft Solidarność ausgezeichnet und breit rezipiert.

          Der semiautobiographische Charakter des Romans ist oft betont worden. Krall, Jahrgang 1935, hütet sich jedoch davor, die eigene Lebensgeschichte in der ersten Person zu schreiben. Versuche, autobiographische Elemente aus ihrer Literarisierung herauszuarbeiten, findet sie befremdlich. Ihre Distanz zum Schreiben in der ersten Person mag verschiedene Gründe haben. „Mein Leben ist die Beschreibung des Lebens anderer“, formulierte die für ihre exzellenten Reportagen bekannte Krall in einem Interview. Als sie gefragt wurde, ob jedes Leben es wert sei, beschrieben zu werden, antwortete sie: „Ich hätte keine Lust, jedes Leben zu beschreiben. Da muss etwas sein, das in mir die Frage weckt: Warum? Und dann muss ich auch den Hauch einer Chance sehen, dass die Antwort etwas Überpersönliches enthält.“

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