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Gewaltherrschaft in Nicaragua : Die Revolution frisst ihre Kinder

  • -Aktualisiert am

Eine Familie geht an einer Wandmalerei von Kommunisten-Idol Che Guevara vorbei, die mit Graffiti überschrieben wurde. Unter anderem steht dort: „Ortega Mörder“. Bild: Reuters

Nicaragua erlebt eine beispiellose Terrorwelle. Willkürliche Festnahmen, Foltern und Vergewaltigungen sind an der Tagesordnung. Notizen aus einem Land unter Druck.

          7 Min.

          Nicaragua – christlich, sozialistisch, solidarisch“ steht auf einem überlebensgroßen Porträt von Daniel Ortega und seiner Frau Rosario Murillo, das am Grenzübergang Peňas Blancas die aus Costa Rica kommenden Reisebusse begrüßt. Über der Propagandatafel kreisen Geier, passend zu dem, was derzeit in Nicaragua passiert. Im Niemandsland bettelt ein Migrant aus Ghana Busreisende an, auf der Suche nach Mitfahrgelegenheiten Richtung Norden, zur mexikanisch-amerikanischen Grenze. Er riskiert sein Leben, denn um Donald Trump gnädig zu stimmen, hat Ortega in vorauseilendem Gehorsam Nicaragua für illegale Migranten gesperrt. Wer trotzdem einreist, wird ausgeplündert oder ermordet wie ein Student aus Kamerun, den die Polizei erschoss. Seine aus Paris angereiste Mutter kam ins Gefängnis, als sie, um die Leiche ihres Sohnes zu überführen, nach Managua flog.

          „Nicaragua ist weder christlich noch sozialistisch oder solidarisch“, sagt ein Ex-Botschafter der sandinistischen Regierung, der wie viele Gesprächspartner anonym bleiben will. „Von allem, was die offizielle Propaganda behauptet, trifft das Gegenteil zu!“ Er übergibt mir eine Liste schwerer und schwerster Menschenrechtsverletzungen, die sich das Ortega-Murillo-Regime in jüngster Zeit zuschulden kommen ließ: Von der Niederschlagung des Massenprotests gegen die Erhöhung der Rentenbeiträge am 19. April bis zur Verletzung des Kirchenasyls im August, bei der zwei Studenten getötet und Dutzende verletzt wurden. Und von der Verhaftung des Armeeveteranen Oberst Brenes, einst Mitkämpfer von Ortega, der gefesselt auf die Ladefläche eines Pick-up geworfen wurde, bis zur kürzlich erfolgten Ausweisung der UN-Menschenrechtsdelegation, deren ungeschminkte Kritik dem Regime ein Dorn im Auge war.

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