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Georgische Literatur : Erfolgreich, gefeiert, gefeuert?

Georgiens Buchmessenauftritt in Frankfurt gilt als großer Erfolg. Bild: dpa

Deutsche Verleger schlagen Alarm: Nach dem großartigen Gastlandauftritt Georgiens auf Frankfurts Buchmesse soll das Organisationsteam aufgelöst werden.

          Den Brandbrief haben Vertreter zahlreicher namhafter deutscher Verlage wie S. Fischer, Hanser und Piper unterzeichnet sowie fast aller unabhängiger Verlage, die in der Kurt Wolff Stiftung organisiert sind. Sie eint die Sorge um einen Partner, der nun, wie sie befürchten, aus dem Spiel genommen wird – das Georgian National Book Center (GNBC), das im vergangenen Herbst den Gastlandauftritt Georgiens auf der Frankfurter Buchmesse organisierte. Gegen dessen „angekündigte Schließung“ protestieren die deutschen Verleger und Lektoren nun „aufs Schärfste“. Sie hätten vier Jahre lang mit der von Medea Metreveli geleiteten Organisation zusammengearbeitet, dabei „bewundernd festgestellt, wie eingespielt, effektiv und kreativ dieses Team ist“, was sich schließlich in einem herausragenden Gastlandauftritt in Frankfurt niederschlug.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Tatsächlich ist die vor wenigen Tagen verkündete Entscheidung des georgischen Kultusministeriums, das GNBC mit dem ebenfalls erfolgreich arbeitenden Schriftstellerhaus in Tiflis in einer „Nationalen Literaturstiftung“ zusammenzulegen, kaum zu verstehen. Denn die Erfahrung der verschiedenen Länderschwerpunkte im Rahmen der Frankfurter Buchmesse lehrt, dass für einen Erfolg drei Dinge zusammenkommen müssen: Ein interessantes, am besten noch nicht allzu bekanntes Land, zweitens eine Literatur, die sich einem internationalen Publikum gut vermitteln lässt, aber ebenfalls noch zu entdecken ist, und drittens das Bemühen des Gastlandes, seine Literatur tatsächlich zu den ausländischen Lesern zu bringen. Dafür sind enge Kontakte zu auswärtigen Verlagen notwendig, aber auch die Vermittlung von Übersetzern und schließlich deren Förderung, damit das finanzielle Risiko für die Verlage überschaubar wird.

          All dies kam im Fall Georgiens zusammen. „Kaum einer von uns hat je einen so gut und professionell organisierten Gastlandauftritt in Frankfurt erlebt“, heißt es in dem offenen Brief an das georgische Kultusministerium. Dass aber dieser Erfolg rasch wieder verspielt sein könnte, wenn es die bisherige Instanz dafür nicht mehr geben sollte, liegt auf der Hand – frühere Gastländer, die ihrer Literatur in der Zeit ihres Messeauftritts einige Präsenz verschafften, können ein Lied davon singen, wie rasch das verpufft, wenn etwa die Bemühungen um Übersetzungen reduziert werden. Auch im Interesse der georgischen Autoren und Übersetzer forden die Unterzeichner des Briefes daher, die Entscheidung über das GNBC zurückzunehmen. Im Interesse der deutschen Leser von Aka Morchiladse, Davit Gabunia oder Otar Tschiladse wäre es sowieso.

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