https://www.faz.net/-gr0-9iufx

Nach Literaturnobelpreis-Eklat : Umstrittenstes Mitglied verlässt die Jury

  • Aktualisiert am

Das Paar im Zentrum des Skandals: Katarina Frostenson und Jean-Claude Arnault beim Kings Nobel Dinner im Dezember 2011 in Stockholm Bild: dpa

Die Schwedische Akademie, für die Vergabe des Literaturnobelpreises bekannt, ist durch einen Missbrauchsskandal handlungsunfähig geworden. Jetzt verlässt ihr umstrittenstes Mitglied die Akademie.

          Die Lyrikerin Katarina Frostenson, die im Zentrum des Skandals um die Literaturnobelpreis-Akademie stand, tritt nach monatelangem Streit aus dem Gremium aus. Sie habe beschlossen, die Schwedische Akademie zu verlassen, teilte die Institution an diesem Freitag in Stockholm mit. Mit ihr sei eine Übereinkunft erzielt worden, dass sie 12.875 schwedische Kronen (rund 1250 Euro) monatlich als Entschädigung erhalte.

          Außerdem bekomme sie Unterstützung dafür, damit sie weiter in der Wohnung leben könne, die sie von der Akademie gemietet habe. Man sei gemeinsam zu dem Schluss gekommen, dass ein gerichtliches Verfahren in dem Streit keinen Sinn ergebe.

          Die Akademie verwies auf die langjährigen Verdienste der 65-Jährigen, die sich persönlich zunächst nicht zu der Vereinbarung äußerte. Sie ist seit 1992 Akademiemitglied gewesen, hatte ihre Arbeit aber im Zuge des Streits im April 2018 niedergelegt.

          Die Schwedische Akademie vergibt alljährlich den Literaturnobelpreis. Der Skandal innerhalb der Organisation dreht sich um Frostensons Ehemann, den Regisseur Jean-Claude Arnault, und um sie selbst. Arnault wurde Anfang Dezember von einem Berufungsgericht in Stockholm wegen Vergewaltigung zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Wie bereits gegen das Urteil der Vorinstanz ging er dagegen in Berufung.

          Darüber hinaus wirft die Akademie Frostenson und Arnault vor, die Gewinner des Literaturnobelpreises vorab ausgeplaudert und damit gegen ihre Geheimhaltungspflicht verstoßen zu haben. Im Gegenzug beschuldigte die Dichterin die Akademie, ihren Verpflichtungen ihr gegenüber nicht nachgekommen zu sein. Das wies die Akademie zurück.

          Frostenson hatte zuletzt finanzielle Forderungen für ihren Austritt gestellt. Der Streit hat zu mehreren Rücktritten und letztlich auch dazu geführt, dass im vergangenen Jahr kein Literaturnobelpreis vergeben wurde. Ob 2019 ein Preisträger ausgezeichnet wird, ist unklar.

          Weitere Themen

          Wettstreit der Romantiker

          Ausstellungen in Paris : Wettstreit der Romantiker

          Victor Hugo, Notre-Dame und die Folgen: Zwei Pariser Ausstellungen im Petit Palais beschäftigen sich mit einer Zeit, die ihre Liebe für „ihr“ Retro entdeckte und auch vielfältig auslebte.

          Russischer Ort streitet über Stalin-Statue Video-Seite öffnen

          Aufstellen oder nicht? : Russischer Ort streitet über Stalin-Statue

          Seitdem in der russischen Ortschaft Kusa eine alte Stalin-Statue in einem Teich entdeckt wurde, spaltet sie das Städtchen. Soll sie am alten Ort wieder aufgestellt werden, wie das der kommunistische Aktivist Stanislaw Stafejew fordert? Oder sollte sie lieber ins Museum?

          Topmeldungen

          Donald Trump am 12. Juli in Milwaukee

          Provokation auf Twitter : Trumps Spiel mit dem Feuer

          Auf Twitter beleidigt Amerikas Präsident vier Parlamentarierinnen rassistisch. Mit der Provokation will er Konflikte unter den Demokraten schüren – und scheitert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.