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Sieferles Buch auf Bestenliste : „Spiegel“-Chef hat „kein Verständnis“ für Saltzwedels Votum

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Blasse Kopie eines Originals: Dieses Porträtfoto von Rolf Peter Sieferle machte er selbst in seinem Kopiergerät, wie es die Vorgaben für den Band „Neue Urbanität“ (2003) vorsahen Bild: GTH Verlag

Wie kommt ein Juror der renommierten Sachbuch-Bestenliste dazu, einem rechtsextremen Buch alle verfügbaren Punkte zu geben? „Spiegel“-Chefredakteur Brinkbäumer äußert sich zum Votum seines Mitarbeiters.

          In der Affäre um die Empfehlung des rechtsextremen Buchs „Finis Germania“ von Rolf Peter Sieferle auf der von NDR Kultur, „Süddeutscher Zeitung“ und dem Börsenblatt des Deutschen Buchhandels veröffentlichten Liste „Sachbücher des Monats“ hat Klaus Brinkbäumer, Chefredakteur des „Spiegel“, das Votum eines Redakteurs des Nachrichtenmagazins kritisiert: „Ich habe nach der Lektüre der wesentlichen Kapitel kein Verständnis dafür, dass der Kollege Saltzwedel dieses Buch empfohlen hat.“ Wegen des entstandenen Schadens begrüße Brinbäumer Saltzwedels Rücktritt aus der Jury.

          Saltzwedel hatte bei der am Freitag veröffentlichten Auswahl die zwanzig Punkte, die jedes Jury-Mitglied vergeben kann, auf den Essay Sieferles gesetzt. Er habe damit, wie es in einer am Montag veröffentlichten Stellungnahme des „Spiegel“ heißt, „bewusst ein sehr provokantes Buch der Geschichts- und Gegenwartsdeutung zur Diskussion bringen wollen“. Saltzwedel sieht Sieferles Buch als Aufzeichnungen „eines final Erbitterten, gewollt riskant formuliert in aphoristischer Zuspitzung. Man möchte über jeden Satz mit dem Autor diskutieren, so dicht und wütend schreibt er.“

          Im Vorwort des Buches wird Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Sinne der Verschwörungstheorie einer „Umvolkung“ eine „Überwältigung der ethnisch-deutschen Bevölkerung“ vorgeworfen. Auschwitz sei ein „Mythos“, welcher „der Diskussion entzogen werden soll“, schreibt Sieferle. Der „Gegner des Programms der Multikulturalität“ sei das „indigene Volk“, steht in dem Buch, „der Nationalsozialismus, genauer Auschwitz, ist zum letzten Mythos einer durch und durch rationalisierten Welt geworden.“

          Der „Spiegel“-Redakteur Saltzwedel beteuert, er habe das Renommee der Sachbuch-Bestenliste durch seinen Vorschlag keinesfalls  beschädigen wollen und bedaure die Verwerfungen, die sich daraus ergeben hätten. Saltzwedels Rücktritt aus der Jury war am Montagmittag bekannt geworden.

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