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Übersetzung Amanda Gormans : „Mit erhobener Faust gegen Schubladendenken“

  • -Aktualisiert am

Lyrikerin Amanda Gorman bei ihrem Auftritt zu Joe Bidens Amtseinführung Bild: AFP

Mit Marieke Lucas Rijnevelds Verzicht wird ein Problem unseres Kulturverständnisses deutlich. Dürfen künftig nur noch Leute übersetzen, deren Identitätskennzeichen mit denen des Autors übereinstimmen?

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          Den Widerstand nie aufgegeben: So lautet der Leitsatz des poetischen Statements von Marieke Lucas Rijneveld, das in dieser Zeitung erstveröffentlicht worden ist. Doch Rijneveld hat aufgegeben, vorläufig jedenfalls. Für die niederländische Übersetzung der Gedichte von Armanda Gorman muss der Verlag Meulenhoff nun jemand anders finden. Gorman wurde am 20. Januar weltweit bekannt, als sie zu Joe Bidens Amtseinführung ihr Gedicht „The Hill We Climb“ vortrug. Darin spricht die zweiundzwanzigjährige Lyrikerin davon, ein gemeinschaftliches Land zu schmieden, das sich allen Kulturen, Farben und menschlichen Lebensverhältnissen, die es umfasst, verpflichtet zeigt. Ihre eigenen Lebensverhältnisse aber werden jetzt entscheidend für die Aufgabe der Übersetzung.

          Bei der Vergabe dieses Übersetzungsauftrags wird kein Verlag künftig umhinkönnen, die Hautfarbe als Hauptkriterium zu berücksichtigen. Denn Rijneveld, zuvor von Meulenhoff zur Traumbesetzung für den Job erklärt und, wie ausdrücklich bestätigt wurde, auch von der Autorin gutgeheißen, ist weiß, Gorman ist schwarz. Ausgelöst durch eine Kolumne der schwarzen Aktivistin Janice Deul in der Zeitung „de Volkskrant“, in der sie die Merkmale „jung“, „weiblich“ und „unapologetically black“ (was wohl so viel wie selbstbewusst schwarz bedeutet) als wesentliche Qualifikationen für diese Übersetzungsarbeit nannte, brach ein Proteststurm gegen Rijneveld los.

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