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F. Scott Fitzgeralds Roman : Der größte Gatsby

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Auch diese Verfilmung von Fitzgeralds „Der große Gatsby“ wird nicht an den Roman heranreichen: Leonardo DiCaprio und Tobey Maguire unter Baz Luhrmanns Regie Bild: AP

Sommernächte, Champagner und die fatal verstreichende Zeit: Warum kein Film an Fitzgeralds Roman „Der große Gatsby“ heranreichen kann.

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          Im Jahr 1924 sah das Leben für Francis Scott Fitzgerald verheißungsvoll aus. Noch nicht 30-jährig hatte er zwei Romane veröffentlicht, von denen der erste, „This Side of Paradise“ (1920), sich aus dem Stand so gut verkaufte, dass seine Verlobte Zelda Sayre, Tochter aus gutem Südstaaatenhause, sich endlich davon überzeugen ließ, dass er eine gute Partie sei. Acht Tage nach der Veröffentlichung heiratete sie ihn endlich. Die beiden bekamen eine Tochter, Frances Scott, genannt Scottie. Der Roman „The Beautiful and the Damned“ (1922) erschien. Selbst im nicht leicht zu beeindruckenden New York fiel das junge Ehepaar durch Exzentrik auf. Die Prohibition tranken sie sich einfach schön, tanzten auf Tischen, und ihre Neigung, voll bekleidet in öffentliche Brunnen zu springen, muss schon als Hobby bezeichnet werden. Sie hatten alles auf ihrer Seite, was ein geltungs- und vergnügungssüchtiges Paar sich nur wünschen kann - Jugend, Schönheit und den Neid und die Bewunderung ihrer Zeitgenossen. Ohne die Fitzgeralds wären die Roaring Twenties vermutlich eine sturztrockene Angelegenheit gewesen.

          Den Sommer des Jahres 1924 verbrachte die junge Familie in Südfrankreich. Sie mieteten sich eine Villa in Valescure, einem Dorf in der Nähe von Saint-Raphaël, das wiederum auf halber Strecke zwischen Saint-Tropez und Cannes liegt. Dort arbeitete Fitzgerald an einem Roman, den er seinem Verleger in einem Brief folgendermaßen angekündigt hatte: „Ich will etwas Neues schreiben - etwas Außerordentliches und Schönes und Einfaches + Komplexes.“ Es sollte das Beste werden, das er jemals geschrieben hat - nach Ansicht vieler, unter anderem auch seiner eigenen, der beste amerikanische Roman aller Zeiten: „The Great Gatsby“.

          Genaues weiß niemand, was unendlich reizvoll ist

          Die Handlung spielt im Sommer 1922 in einem Teil New Yorks, den Fitzgerald gut kannte, weil er in dieser Zeit selbst dort gelebt hatte: in Great Neck, an der Nordküste Long Islands, eine halbe Autostunde von Manhattan entfernt. Gegenüber, durch einen schmalen Wasserstreifen getrennt, aber in Sichtweite, liegt Sands Point, das in den zwanziger Jahren der noblere Wohnort war. Dort wohnte das alte Geld, (wobei alt bei amerikanischem Geld natürlich relativ ist), während sich in Great Neck eher die Emporkömmlinge ansiedelten, die Möchtegern- und Neu-Reichen, die den amerikanischen Traum zu leben versuchten, während er denen auf der gegenüberliegenden Küste in die Wiege gelegt worden war.

          Aus Great Neck machte er West Egg, aus Sands Point East Egg; und als Erzählperspektive wandte Fitzgerald den eigentlich immer gut funktionierenden Kniff an, die Geschichte aus Sicht eines staunenden Außenseiters wiederzugeben, der irgendwann selbst in die Ereignisse hineingezogen wird. Nick Carraway heißt der Ich-Erzähler, ein Mann um die 30, der sich an der Börse versucht und vor kurzem erst an die Ostküste gezogen ist, und zwar nach West Egg, also in den weniger respektablen der beiden Orte. Er hat dort ein bescheidenes Häuschen mit Blick auf die Bucht gemietet, und schnell wird die Aufmerksamkeit des Lesers auf das viel größere Nachbargrundstück gelenkt, das ein gewisser Jay Gatsby bewohnt, den der Erzähler anfangs nur dem Hörensagen nach kennt. Ein Neffe Hindenburgs soll er sein, ein Alkoholschmuggler oder ein Mörder - Genaues weiß niemand, was natürlich unendlich reizvoll ist.

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