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Erinnerungskultur und Sprache : Der Heimatkomplex ist wieder da

  • -Aktualisiert am

Sind es die Lieder, die in einem das Heimatgefühl wecken? Bild: dpa

Der Begriff Heimat geistert durch die Diskussionen und die Romane der Saison. Dabei geht es auch um unsere Muttersprache. Und die Frage der Aushöhlung öffentlicher Sprache durch Diktatur und Propaganda. Ein Gastbeitrag.

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          Tatsächlich fängt manche quälende Erinnerung mit den Liedern der Kindheit an. Man bekommt sie nur schwer aus dem Gedächtnis, sie haben sich in den tieferen Schichten des Cortex festgesetzt und spuken als Ohrwurm in den inneren Hallräumen umher. Sie kehren wieder wie die Scham und das schlechte Gewissen über die eigenen falschen Gefühle. In den Revolutionszeiten der Menschheit, im Kampf um die Einheit der Nationen, in der Gründungsphase der Parteien, waren Lieder immer das beste Mittel der Identitätsstiftung. Und erst recht diente in den Diktaturen der Neuzeit das sogenannte „Liedgut“ der Formierung der Massen. Es steuert die Indoktrination der Gefühle und bewirkt mehr als tausend Worte, mehr als jedes politische Programm.

          Mich hat eines Tages die Erinnerung an ein Lied ereilt, das zu den tränenseligsten meiner Kindheit gehörte. Ich spreche vom „Kleinen Trompeter“. Das war das Lied, das ich im Kindergarten sang und in den ersten Schuljahren als Jungpionier wieder, ich sang es sogar recht gern.

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