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Entwicklung des Buchgeschäfts : Literatur vollplastisch

  • -Aktualisiert am

Die Literatur ist im Unterhaltungssegment angekommen: Besucher auf der Leipziger Buchmesse. Bild: dpa

Live oder virtuell, auf jeden Fall echt und authentisch: Während das Buchgeschäft kriselt, boomen die Lesungen. Das Geld wird dort verdient, wo Autor und Publikum aufeinander treffen. Ein Gastbeitrag.

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          Der geballten Faust sieht man die zarte Hand nicht an. Der Abnutzungskampf gegen die alten und neuen Feinde des klassischen Buchhandels (Frühling, Sommer, Herbst und Winter sowie Netflix und Amazon) erfuhr in dieser Zeitung zuletzt äußerst ermunternde Interventionen. Die Kraft dieser Wortmeldungen lag in ihrer Offenheit, in ihrer Blöße. Es ging dabei um den Buchhandel in der Fläche. Und es ging um die Nöte der Verlagsvertreter, die zwischen Husum und Rottweil verzweifelt versuchen, die Vielfalt deutschsprachiger Verlagsprogramme im örtlichen Handel unterzubringen. Dem Diogenes-Verleger Philipp Keel ging es um das Eingeständnis halbierter Umsätze, um Erneuerndes, um Rebellion. Der verlegerische Geschäftsführer des S. Fischer Verlags, Jörg Bong, forderte von allen Teilhabern mehr Verantwortungsgefühl für den Erhalt der „hellen Kulturkraft“ des Buches.

          Eine Branche, in der sich Traditionsbewusstsein und Ökonomisierung, das Verharren der Alten und das Verheizen der Jungen, Kleinmut und Großsucht bremsend verschränken, bemerkt die Folgen eines Kulturwandels, der alles ist, nur nicht überraschend. Die erfolgreichen Bücher werden noch erfolgreicher, die erfolglosen noch erfolgloser. Die Buchbranche hat sich in aufwendigen Wappnungsprozessen stets eloquent damit aufgehalten, die Zermürbungsprozesse von Versandanbietern, die Verwüstungen durch Buchhandelsketten, die Entsinnlichung durch E-Publishing und die Verblödung durch Streamingdienste dramatisierend oder lustvoll auszumalen oder auch nur auszuhalten. Seit 2010 kommen Jahr für Jahr eine Million Leser abhanden.

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