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Ende einer Ära bei Rowohlt : Der Rückzug Alexander Fests

Alexander Fest Bild: Thiel, Christian

Alexander Fests Rückzug als Verleger bei Rowohlt kam überraschend, war aber lange geplant. Seine Nachfolgerin Barbara Laugwitz wird vor allem Bestseller im Blick haben.

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          Beim Rowohlt Verlag geht eine Ära zu Ende: Nach zwölf Jahren als Verleger des Rowohlt Verlages gibt Alexander Fest seine Position auf, wie der Holtzbrinck-Konzern am Donnerstag überraschend mitgeteilt hatte. Fest, der mit Ausnahme von Verlagsgründer Ernst Rowohlt und dessen Sohn und Nachfolger Heinrich Maria Ledig-Rowohlt länger als all seine Vorgänger an der Spitzes des traditionsreichen Hauses stand, übergibt die verlegerische Geschäftsführung bereits zum kommenden Sonntag an seine Nachfolgerin Barbara Laugwitz.

          Hubert Spiegel

          Redakteur im Feuilleton.

          In der Gerüchteküche des Literaturbetriebs war zuvor nicht das leiseste Brodeln zu vernehmen gewesen. Fests Entscheidung kam überraschend, obwohl er sie schon lange geplant hat. Der Rückzug dürfte verschiedene Gründe haben. Für einen Verleger wie Fest, dem nicht allein Umsatzzahlen, sondern einzelne Autorenpersönlichkeiten sowie das intellektuelle Profil seines Hauses wichtig sind, werden die Spielräume immer kleiner, weil die mit der Digitalisierung der Buchbranche verbundenen Herausforderungen immer größer werden.

          Vielleicht ist Fest nach beinahe dreizehn Jahren an der Verlagsspitze amtsmüde, literaturmüde ist er jedenfalls nicht. Denn wie er auf einer Mitarbeiterversammlung des Verlages gesagt haben soll, freut er sich darauf, künftig wieder mehr mit einzelnen Autoren zusammenarbeiten zu können. Der Verleger kehrt also gewissermaßen ins Lektorat zurück, in den intellektuellen Kernbereich seines Hauses. Außerdem wird er Rowohlt als „Editor at large“ verbunden bleiben und der neuen Leitung beratend zur Seite stehen.

          Autoren von Weltgeltung

          Fest, der 1960 als Sohn des verstorbenen Historikers und F.A.Z-Herausgebers Joachim Fest geboren wurde, war zunächst Cheflektor bei Siedler, bevor er 1996 den Alexander Fest Verlag begründete und im Jahr 2000 zusätzlich die Leitung des Kindler Verlags übernahm. Aus dieser Zeit stammt seine enge Verbindung mit dem Holtzbrinck-Konzern, zu dem auch Rowohlt gehört. Als er 2002 die Nachfolge von Peter Wilfert bei Rowohlt antrat, war der Verlag gerade dabei, sich mühsam von einer schweren Krise zu erholen. Das Profil des Traditionshauses war verwässert, man blickte auf verlustreiche Jahre zurück. Fest brachte einen großen Teil seiner Autoren mit, darunter zum Beispiel Georg Klein, und hatte überdies einen Vertrag mit Jonathan Franzen über dessen Weltbestseller „Die Korrekturen“ im Gepäck.

          Er schärfte das literarische Profil des Hauses, gewann verspieltes Ansehen zurück und etablierte mit Franzen und Jeffrey Eugenides Autoren von Weltgeltung bei Rowohlt. Auch in wirtschaftlicher Hisicht ging es dem Haus gut, Fest kann auf erfolgreiche Jahre zurückblicken.

          Seine Nachfolgerin Barbara Laugwitz war bisher als Verlagsleiterin und Prokuristin verantwortlich für die Bereiche Belletristik und Sachbuch im Taschenbuch, für Rowohlt-Polaris und Rowohlt-Sachbuch. Wie der Konzern betont, wurden unter der Leitung der Dreiundvierzigjährigen zahlreiche Bestseller veröffentlicht, unter anderem von Autoren wie Jan Weiler, Eckart von Hirschhausen und Ildikó von Kürthy.

          Das muss noch keine Kritik am Kurs Fests bedeuten, der immer das intellektuelle Profil seines Programms im Blick hatte, es könnte aber ein Hinweis darauf sein, dass der Rowohlt Verlag künftig noch stärker auf Bestseller setzen wird. Laugwitz, die seit etwa zehn Jahren bei Rowohlt arbeitet, gilt als erfahrene Programmacherin mit gutem Gespür für Erfolgstitel. Dass mit ihr eine Nachfolgerin für Alexander Fest gefunden wurde, die aus dem eigenen Haus kommt, soll bei den Verlagsmitarbeitern breite Zustimmung gefunden haben.

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