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Ein Thriller als Ukraine-Drehbuch : Wenn Tom Clancy es wusste, wieso nicht die EU?

Bei all den im Westen und Norden beliebten Berichten über Despoten in Ost und Süd, die das Internet stutzen wollen, geht ja oft unter, dass Feinde des Westens und Nordens dieses Netz manchmal gut zu gebrauchen wissen: Als letztes Jahr in Washington und New York Obamas Vorhaben eines Militärschlags gegen Syrien Demonstrationen auf die Straßen zog, kamen viele der Informationen, auf die sich die Kritiker seiner Administration bezogen, von der Website rt.com, dem englischsprachigen Netzportal von „Russia Today“.

Das entscheidende Schmiermittel

Im mobilen Überall wird heute Geopolitik gemacht, indem man Gefolgschaften heranbildet, die man braucht, wenn nach den Luftattacken, den Clusterbomben und Drohnen die Besatzungszeiten anbrechen, in denen echte Menschen in echten Zinksärgen aus fernen Weltregionen nach Hause geholt werden. Die konkrete Geopolitik, die Hillary Clinton bei Putin mit waghalsigen Hitler-Vergleichen ins Relief heben will, wird in „Command Authority“ raumordnungstheoretisch ausbuchstabiert: Worauf es „der Russe“ letztlich abgesehen habe, sei eine weit über die Ukraine hinausgreifende Expansion nach Westen - schon sind Polen, die Tschechische Republik, Ungarn, Bulgarien und Rumänien im Visier, „they will be the next dominoes to fall“. Ein rückhaltloser Infokrieg des Westens soll dieses Spiel im Buch wie in der Wirklichkeit mit allen Mitteln vereiteln - bei Clancy und Greaney fliegt Ryans Außenminister Adler nach Europa, um die antirussische, nationale Regierung der Ukraine diplomatisch zu unterstützen; in den tatsächlichen Nachrichten tut Kerry dasselbe und verspricht obendrein Energieträgerkredite, worauf die EU, die man von amerikanischer Seite vielleicht lieber als Zaungast hätte, mitzieht, weil man in diesen Dingen ein Spiel, das man nicht mitspielt, auf jeden Fall verliert- oder wie General Douglas MacArthur im Buch zitiert wird: jedes strategische Debakel sich mit zwei Worten zusammenfassen lässt: „zu spät“.

Der reale und erwartete Reichtum an Bodenschätzen und die Kontrolle über Transportwege, um die es geht, werden von Clancy und Greaney in einer Art drastischer Kontrastmitteleinfärbung als entscheidendes Schmiermittel der ganzen Sache vorgeführt, dem auf der Spur bleiben muss, wer handlungsfähig sein will. Jack Ryan hat einen Sohn, der im Buch diese Ermittleraufgabe übernimmt, während sein Vater als Staatsmann agiert.

Obama und Berlin hätten nur lesen müssen

Der Junior arbeitet in London oder, wie ein Geheimdienstler im Roman scherzt, in „Londongrad“, an dem Ort also, wo der künftige (oder bereits tobende?) Finanzweltkrieg entschieden wird. Sein Kunde bei der Finanzrecherchefirma, die ihn beschäftigt, ist ein schottischer Milliardär, den die Russen geleimt haben. Detektivarbeit bedeutet für Ryan junior wie senior kaum noch Verhör und Beschattung, sondern vorwiegend Filtern, Gegenprobe, Wahrscheinlichkeitskalküle, Mustererkennung - immer von Maschinen assistiert, deshalb sucht der Präsident sich seine Konferenzschaltungsstützpunkte etwa nach den jeweils verfügbaren Multimedia-Optionen aus, und deshalb erfahren wir auch, welche Tools der Junge beim Nachrichtensortieren benutzt. Wie es im Kino bei James Bond früher wichtig war, welche Autos er fährt und mit welchen Waffen er schießt, erklären uns jetzt Thrillerautoren die Vorteile des IBM i2 Analyst’s Notebook, und das ist tatsächlich keine alberne Schleichwerbung, sondern hochauflösende Beschreibung dessen, wie und womit gekämpft wird, unter Ausnutzung eben nicht nur esoterischer, sondern im Prinzip immer wieder auch frei verfügbarer Daten, bei denen es dann nur darauf ankommt, dass man die richtige Evaluierung vornimmt.

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