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Cornelia Funke im Gespräch : Märchen sind Zeitmaschinen

Ausgesetzte Kinder, finsterer Wald und die Angst vor dem Hunger waren im Mittelalter völlig berechtigte Ängste: Hänsel und Gretel, Illustration von Hellmut Eichrodt, um 1910. Bild: Picture-Alliance

Ein Gespräch mit Cornelia Funke über ihre Romanserie „Reckless“, unsere Sehnsucht nach der Verwandlung in ein Tier, J. K. Rowling und die Frage, warum ein Golem die Rebellion gegen seinen Schöpfer schon in sich trägt.

          7 Min.

          Frau Funke, gerade ist „Auf silberner Fährte“ erschienen, der vierte Band Ihrer Romanserie „Reckless“, die wesentlich auf Märchenmotiven basiert. Unterdessen scheint die Gattung in Verruf geraten zu sein: Wenn jemand lügt, sagen wir: „Erzähl mir keine Märchen!“

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Der Satz bezieht sich meist darauf, dass es im Märchen angeblich immer ein gutes Ende gibt und dass sich alles dort so wunderbar fügt, was der Erfahrung im wirklichen Leben widerspricht. Lügen oder Fake News dagegen werden für bestimmte politische Ziele in die Welt gesetzt, um Menschen zu manipulieren oder um ihnen Angst zu machen. Ich glaube, dass es immer auch Märchen gab, die reaktionär oder sexistisch waren, weil sie ebendie Werte einer bestimmten Zeit oder Gesellschaft transportieren sollten. Aber es gibt natürlich auch viele Märchen, die versuchen aufzuklären. Denn all das, was jetzt gerade die Fake News in die Welt setzt, wird im Märchen ja auch bloßgestellt und angeprangert – zum Beispiel krankhafter Ehrgeiz und Gier.

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