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Neue Superheldencomics : Die Überlebenden des Mediengemetzels

Ein Radikaler der futuristischen Identitätspolitik greift nach der Weltmacht: Magneto in der ersten Ausgabe von „House of X“. Bild: Marvel Comics

Die neuen Comicserien „House of X“ und „Powers of X“ gehen ästhetisch und politisch das Risiko ein, von ganz anderen Dingen völlig anders zu erzählen als das Superheldenkino.

          5 Min.

          Der beinah allwissende Mann, der seine Augen hinter einem Helm verbirgt, hat genug gesehen: „No more!“ sagt er, also: nie wieder, bedrängt und bedroht von Zeitungsseiten und Internetmeldungen, die davon handeln, dass zu viele sterben mussten, die so sind wie er. Der Mann ist ein Mutant, das heißt, er gehört einer neuen Spezies an, homo superior, deren Erblinie von unserem Stammbaum abzweigt. Aufgrund genetischer Besonderheiten steht diese neue Art in einem annähernd magischen Verhältnis zur Natur, jeweils individuell verschieden: Einer kann Magnetfelder formen, eine andere das Wetter willkürlich ändern, ein weiterer regeneriert seinen Leib nach Verletzungen schneller, als Gewebe sich sonst erneuert.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Nicht alle Mutanten sind von menschlicher Gestalt; der mächtigste ist eine Insel, ein vollentwickeltes Ökosystem namens Krakoa, das, wo immer auf der Erde man einen Ableger davon pflanzt, nichtlokal mit sich selbst verbunden bleibt: Wer von Krakoa anerkannt ist, kann einen krakoanischen Blumenbogen in Jerusalem durchschreiten und erscheint im selben Moment an einem der vielen anderen Enden der Vielverbundenheit, in Amerika, Europa oder auf dem Inselhauptkörper. Mutanten sind mehr als wir, das macht uns Angst, also behandeln wir sie, als wären sie weniger als wir. Der Mann mit dem Helm muss über uns Schreckliches wissen: „Sieh, was sie getan haben, was sie immer tun. Sieh, wie das immer endet. Sie haben so viele von uns ermordet, dass sich die Welt daran gewöhnt hat.“

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