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Longlist zum Buchpreis : Debütanten, olé!

Stapelware: Der Deutsche Buchpreis hat Romane immer wieder zu Bestsellern gemacht. Bild: dpa

Die Vorauswahl zum Deutschen Buchpreis 2019 steht fest: Ein Blick auf die Verteilung der nominierten Romane – und auf die Hoffnungen des Buchmarkts.

          Ungewöhnlich viele Debütanten – das ist der interessanteste Eindruck der Longlist zum diesjährigen Deutschen Buchpreis, die an diesem Dienstagmorgen bekanntgegeben worden ist. Unter den nunmehr noch zwanzig Kandidaten, die aus den 203 gesichteten Romanen ausgewählt wurden, sind gleich sieben Erstlinge, acht sogar, wenn man berücksichtigt, dass Karen Köhler bislang nur einen Erzählungsband veröffentlicht hat.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Dafür sind unter den anderen zwölf viele Bekannte: Nora Bossong, Marlene Streeruwitz, Norbert Scheuer, Alexander Osang, Saša Stanišić oder Eva Schmidt, um nur die Vertrautesten zu nennen. In den kommenden vier Wochen wird die Jury aus den Nominierungen sechs Titel herausfiltern, die dann die Shortlist bilden, aus der das diesjährige Siegerbuch gewählt wird. Es wird am Abend des 14. Oktober im Kaisersaal des Frankfurter Römers zum Auftakt der Buchmessewoche verkündet. Die Auszeichnung ist mit 25.000 Euro dotiert, für die fünf weiteren Finalisten bleiben noch jeweils 2500 Euro, die Aufnahme in die Longlist bringt nicht mehr ein als Aufmerksamkeit.

          Die gilt aber ohnehin als die eigentliche Prämie beim Deutschen Buchpreis, wenn auch von den großen Verlagen immer mehr beklagt wird, dass erst mit der Reduzierung auf die sechs Shortlist-Bücher die Neugier des Publikums tatsächlich geweckt wird. Für kleinere Häuser ist aber schon die erste Nominierung Gold wert, doch aus dieser Gruppe stammen diesmal nur fünf Bücher. Die jeweiligen Siegertitel eines Jahres sind regelmäßig Bestseller geworden, wobei die vorjährige Gewinnerin Inger-Maria Mahlke mit ihrem Roman „Archipel“ beim Verkauf etwas hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist, nachdem vor allem Robert Menasses „Hauptstadt“ 2017 ein Renner gewesen war.

          Elf Frauen, neun Männer

          Der Buchhandel wünscht sich solche Impulse im beginnenden Weihnachtsgeschäft; er ist wichtig für die Branche. Eine entsprechende Auszeichnung für Sachbücher, die vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels nach einem etwas weniger komplexen Auswahlschema verliehen werden soll, wird im kommenden Juni erstmals vergeben werden. Ob man damit dieselbe Aufmerksamkeit finden wird wie die Romane, darf bezweifelt werden, weil die Vergleichbarkeit bei Sachbüchern noch schwieriger ist. Der Börsenverein stellte bei der Vorstellung des neuen Preises die „politische Relevanz“ als Auswahlkriterium in den Mittelpunkt.

          Bei Romanen sind dankenswerterweise auch noch Form und Stil mitentscheidend. Um den Deutschen Buchpreis konkurrieren diesmal in alphabetischer Autorenreihenfolge: „Schutzzone“ von Nora Bossong (Suhrkamp), „Der junge Doktorand“  von Jan Peter Bremer (Berlin Verlag), „Das flüssige Land“ von Raphaela Edelbauer (Klett-Cotta), „Cherubino“ von Andrea Grill (Zsolnay), „Miroloi“ von Karen Köhler (Hanser), „Kintsugi“ von Miku Sophie Kühmel (S. Fischer), „Vater unser“ von Angela Lehner (Hanser Berlin), „Gelenke des Lichts“ von Emanuel Maeß (Wallstein), „Die Leben der Elena Silber“ von Alexander Osang (S. Fischer), „Hier sind Löwen“ von Katerina Poladjan (S. Fischer), „Der Große Garten“ von Lola Randl (Matthes & Seitz), „Nicht wie ihr“ von Tonio Schachinger (Kremayr & Scheriau), „Winterbienen“ von Norbert Scheuer (C. H. Beck), „Die untalentierte Lügnerin“ von Eva Schmidt (Jung und Jung), „Herkunft“ von Saša Stanišić (Luchterhand), „Flammenwand“ von Marlene Streeruwitz (S. Fischer), „Brüder“ von Jackie Thomae (Hanser Berlin), „Der Sommer meiner Mutter“ von Ulrich Woelk (C. H. Beck), „Wo wir waren“ von Norbert Zähringer (Rowohlt) und „Mobbing Dick“ von Tom Zürcher (Salis). Elf Frauen stehen neun Männer gegenüber; die Titel verteilen sich auf fünfzehn Verlage. S. Fischer ragt mit vier nominierten Titeln einsam heraus. 

          In den kommenden Wochen des bestimmende Thema

          Die siebenköpfige Jury unter Vorsitz des Berliner Literaturkritikers Jörg Magenau weist einen ungewöhnlich starken Frankfurt-Anteil auf (die Jurymitglieder Hauke Hückstädt, Björn Lauer, Alf Mentzer sind hier ansässig), aber davon hat nur der ortsansässige Fischer-Verlag profitiert, während die bislang recht regelmäßig vertretenen unabhängigen Verlage Frankfurter Verlagsanstalt und Schöffling nicht berücksichtigt wurden. Andere unabhängige Dauergäste wie Jung und Jung oder Matthes & Seitz sind auch diesmal wieder dabei.

          Klare Favoriten sucht man bislang vergeblich, manche vorab hochgehandelten Titel wie etwa „Der vergessliche Riese“ von David Wagner, Judith Schalanskys „Verzeichnis einiger Verluste“ (der allerdings kein Roman ist) oder Matthias Brandts „Blackbird“ fielen durch das Raster – von Kiepenheuer & Witsch, Brandts Verlag, ist diesmal sogar überhaupt kein Buch vertreten. Die frühere Buchpreisgewinnerin Terézia Mora kam mit ihrem aktuellen Roman „Auf dem Seil“ auch nicht auf die Longlist; diese seltsame Scheu gegenüber früheren Gewinnern hat Tradition.

          „Metropol“, der neue Roman des Preisträgers von 2011, Eugen Ruge, erscheint erst Anfang Oktober und fällt damit nicht mehr in die für eine Nominierung vorgeschriebene Publikationszeitspanne bis zum 17. September. Ob wieder einmal ein Romandebütant gewinnen wird – zuletzt gelang das 2014 Lutz Seiler –, dürfte in den nächsten vier Wochen, bis die Shortlist herauskommt, das bestimmende Thema sein. Und hoffentlich dann auch noch darüber hinaus.

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