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AfD-Sympathisant Uwe Tellkamp : Was tut man uns an?

  • -Aktualisiert am

Angriff sofort: Uwe Tellkamp am Donnerstagabend in Dresden Bild: Jürgen Lösel für „Sächsische Zeitung“

In einer Podiumsdiskussion mit Durs Grünbein in Dresden überrascht Uwe Tellkamp durch rechtspopulistische Äußerungen. Götz Kubitschek springt ihm bei, der Suhrkamp-Verlag distanziert sich.

          3 Min.

          Es kommt vor, dass Gespräche aus dem Ruder laufen; aber was am Donnerstagabend im Dresdner Kulturpalast geschah, war wirklich bemerkenswert. Die Stadt, die sich unter Berufung auf ihre Debattenkultur als Kulturhauptstadt Europas 2025 bewirbt, hatte die Schriftsteller Durs Grünbein und Uwe Tellkamp eingeladen, beide aus Dresden, beide erfolgreich, beide bei Suhrkamp.

          Stefan Locke
          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Tellkamp hatte sich gewissermaßen im Schützengraben verbarrikadiert und grub sich im Laufe des Abends dort immer tiefer ein. „Streitbar! Wie frei sind wir mit unseren Meinungen?“, lautete der Titel der Debatte, deren Anlass einige Monate zurückreicht. Nach der jüngsten Frankfurter Buchmesse hatte Tellkamp die Petition einer Dresdner Buchhändlerin als einer der Ersten unterzeichnet, die unter dem Titel „Charta 2017“ den Umgang der Messe mit sogenannten neurechten Verlagen kritisiert. Unter dem Begriff der Toleranz werde Intoleranz gelebt, die Meinungsfreiheit ausgehöhlt und ein „Gesinnungskorridor“ vorgegeben, heißt in der Petition, die die Gesellschaft gar auf dem Weg in eine „Gesinnungsdiktatur“ sieht. Darauf reagierten rund einhundert Dresdner Autoren, darunter Grünbein, mit einem Aufruf, der die Dinge wieder auf die Füße stellte. „Die Freiheit, sich zu äußern, begründet kein Recht, sich unwidersprochen zu äußern“, heißt es darin. „Denn ebenso gilt diese Freiheit für jene, die widersprechen.“ Der „Opferhabitus“, der durch die Klage über Gesinnungskorridore und die Anspielung auf Dissidentenbewegungen wie die „Charta 77“ eingenommen werde, „ist unangemessen und verhöhnt all jene, die in Geschichte und Gegenwart mit Leib und Leben in Diktaturen für ihre Überzeugungen einstanden und einstehen“.

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