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Neuer Buchpreis : Lob des Sachbuchs

  • -Aktualisiert am

Eine kleine Sachbuchauswahl aus dem Frühjahr (allerdings mit drei übersetzten Titeln, die für den neuen Buchpreis nicht in Frage gekommen wären) Bild: Verlage

Nächstes Jahr im Humboldt Forum: Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hebt einen Deutschen Sachbuchpreis aus der Taufe.

          Der Literaturpreise gibt es im deutschsprachigen Raum viele. Preise für Sachbücher können da nicht mithalten. Überraschend ist das kaum, denn schließlich lässt sich auf literarischem Terrain leichter operieren als auf jenem des Sachbuchs. Dort geht es nun einmal um viele verschiedene Sachen – und auch Genres –, für die ein geteiltes Interesse zu behaupten deutlich schwieriger ist als die Berufung auf den Generalnenner „Literatur“. Schon an den Bestenlisten macht sich das bemerkbar. Denn während es noch hingehen mag, Romane in eine Reihe von eins bis zehn zu bringen (aus der schon der Gedichtband wieder fällt), wirkt dieses Verfahren bei thematisch nicht weiter eingeschränkten Sachbüchern eher kurios.

          Dieser Sperrigkeit der „Sachen“ steht gegenüber, dass sich die Sachbücher auf dem Feld des Buchmarkts gut schlagen. Wo die Belletristik im vorigen Jahr beim Umsatz in etwa stagnierte, da hielt sich das Sachbuch mit einem Plus von 5,5 Prozent beachtlich, wobei dieser Zuwachs fast ganz auf das Konto von Büchern ging, welche den Bereichen Politik, Gesellschaft und Wirtschaft zugeordnet wurden. Zwar machte das Sachbuch insgesamt nur rund zehn Prozent des Gesamtumsatzes aus, aber trotzdem: Es ist naheliegend, auf eine solche Entwicklung zu setzen und den Sachbüchern etwas mehr von jener Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, wie gut aufgezogene Preise sie vermitteln können.

          Bücher von gesellschaftlicher Relevanz

          Zum neuen „Sachbuchpreis für Geisteswissenschaften“ der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft in Darmstadt, der am 5. Juni zum ersten Mal in Berlin vergeben werden wird, kommt deshalb nun ein vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels getragener „Deutscher Sachbuchpreis“. Deutlicher noch als beim Darmstädter Preis, der die hervorstechende wissenschaftliche Leistung betont, soll die Auseinandersetzung mit gesellschaftlich relevanten Themen gefordert sein (was die erste Darmstädter Shortlist recht weit auslegt).

          Neben dieser „zeitgeschichtlichen“ Relevanz stechen Zugänglichkeit, solide Recherche und erzählerische Qualität. Einer siebenköpfigen Jury wird zufallen, nach diesen Vorgaben im nächsten April acht im Original auf Deutsch erschienene Titel auszuwählen, aus denen Mitte Juni 2020 bei einer Veranstaltung im Berliner Humboldt Forum der erste Preisträger bestimmt wird. Als Förderer wurde die Deutsche Bank Stiftung gewonnen, 25.000 Euro erhält der Gewinner, je 2500 Euro gehen an die Nominierten. Am Lob des Sachbuchs als Vehikel der Aufklärung, Orientierung und Debattenkultur ließ man es bei Gelegenheit der Präsentation des neues Preises nicht fehlen. Die Verlagsprogramme auf ganzer Breite musste man sich da eher aus dem Sinn schlagen. Aber die Juroren werden Spielraum genug haben für Debatten darüber, welche Debatten sie mit ihrer Wahl fördern oder anzetteln wollen.

          Helmut Mayer

          Redakteur im Feuilleton.

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