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Der Dramatiker in Badenweiler : Tschechow stirbt

Bloß keine Ähnlichkeit mit einem Grabstein: Tschechow-Büste im Kurpark von Badenweiler Bild: Picture-Alliance

Ein Tod im Dienst der deutsch-russischen Beziehungen: Im Jahr 1904 starb der Dramatiker Anton Tschechow im badischen Kurort Badenweiler – und hatte dort ein erstaunliches diplomatisches Nachleben.

          9 Min.

          Im Juni des Jahres 1904 schreibt Anton Tschechow an seinen Freund und Kollegen Ivan Bunin: „Ich fühle mich nicht übel, habe mir einen weißen Anzug bestellt...“ Wenige Tage später reitet Bunin in seinem Dorf in Russland zur Post, nimmt Briefe und Zeitungen entgegen und spricht beim Dorfschmied vor, um sein Pferd beschlagen zu lassen. „Es war ein heißer, schläfriger Steppentag, mit matt glänzendem Himmel und glühendem südlichem Wind. Beim Schmied auf der Schwelle sitzend, schlug ich die Zeitung auf – und plötzlich fuhr es mir wie eine eisige Klinge über das Herz.“ Anton Tschechow war tot, gestorben in Badenweiler, wo er sich von den Anstrengungen seiner langjährigen Tuberkuloseerkrankung hatte erholen wollen.

          Hubert Spiegel

          Redakteur im Feuilleton.

          Die großen Zeitungen in Russland und Europa brachten Nachrufe, der Leichnam wurde nach Moskau überführt und bei seiner Ankunft von einer Trauergemeinde empfangen. Um den Transport, der Maxim Gorki zufolge in einem Kühlwagen mit der Aufschrift „Austern“ erfolgt war, rankten sich bald ebenso Gerüchte und Legenden wie um den Marsch der Trauernden, die zunächst dem falschen Sarg gefolgt sein sollen. Tschechows Nachleben begann mit Hindernissen.

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