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Plagiat im E-Publishing : Die Jungs nebenan

Bild: Verlag

Sie verkauft sich glänzend, heißt es aus dem Verlag. Dennoch hat Carlsen den Vertrag mit einer Autorin kündigen müssen – weil sie abgeschrieben hatte. Ausgerechnet aus einem Carlsen-Buch. Die Leser haben es gemerkt.

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          Keine zwei Wochen war Hannah N. Heitmeyers Roman „Boys Next Door“ bei Amazon lieferbar, dann verschwand der Titel wieder. Eine Rezensentin hatte das Buch („Der Junge weinte stumme Tränen der Verzweiflung...“) als Plagiat angeprangert, eine Facebook-Gruppe war dem Verdacht nachgegangen und hatte Übereinstimmungen mit einem Manga der japanischen Zeichnerin Kaori Yuki festgestellt, der 2003 bei Carlsen erschienen war. In diesem Verlag überprüfte man die inkriminierten Stellen – „Figurennamen, ganze Dialoge und sogar der Titel“ seien von Heitmeyer übernommen worden, sagt Pia Cailleau, die im Haus das Label „Impress“ leitet.

          Dort erscheinen E-Books, nach Verlagsangaben „mitreißende Geschichten aus den beliebten Genres Paranormal Romance, Coming-of-Age und New Adults“, und auch Heitmeyer war bis vor kurzem ausgerechnet bei Impress unter Vertrag: „Sie hat einen großen Namen, verkauft sich glänzend, und der Text, den sie uns angeboten hat, war sehr gut“, sagt Cailleau. Tatsächlich sollte Heitmeyers Trilogie, nach Angaben von Cailleau im Bereich der „All Age Fantasy“ angesiedelt, unter dem Namen publiziert werden, mit dem die Autorin bekannt geworden ist: Hannah Ben.

          Rücksichtlosigkeit und Rätsel

          Von ihr stammen Titel wie „Annika&Marko: 7 Tage“, „Alexandra und Paul: Alles außer Liebe“, „Chris und Sara: Die Geschichte einer verbotenen Liebe“, allesamt bei Amazon hervorragend bewertet, wenn sie auch nicht immer das „sehr gute Schreiben“ der Autorin zeigen. Immerhin verraten Sätze wie „Er konnte doch nicht so rücksichtslos mit den Sachen von anderen Menschen umgehen“ aus dem Roman „George und Joshua – Der Weg der Hoffnung“ das Problembewusstsein der nun des Plagiats bezichtigen Autorin.

          Bei Impress half ihr das nichts, der Verlag löste den Vertrag mit ihr auf. Und rätselt nun, warum Hannah N. Heitmeyer nicht einmal den Titel des Mangas änderte, warum als Lektorin des Romans eine gewisse Hannah Ben fungiert und so den Begriff des Selfpublishing als Selbstredigat auslegt und wen die Verlagsleiterin im Herbst 2015 eigentlich auf der Buchmesse kennengelernt hat, um über die geplante Trilogie zu sprechen.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

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