Bundeswehr-Enthüllungen : Eine Welt für sich
Sönke Neitzel hat den Sprengstoff in seinem neuen, gleich in mehrfacher Hinsicht spektakulären Buch sehr gut versteckt: „Deutsche Krieger: Vom Kaiserreich zur Berliner Republik“ heißt die Militärgeschichte des Potsdamer Historikers, die eigentlich erst Anfang November erscheinen sollte, jetzt aber vom Verlag eine Woche vorgezogen wurde. Eine 800 Seiten umfassende Studie, in der Neitzel die deutsche „Kriegskultur“ vom 19. Jahrhundert bis heute untersucht und dabei die Frage stellt, was ein Leutnant des Kaiserreichs, ein Offizier der Wehrmacht und ein Zugführer der Task Force Kunduz des Jahres 2010 gemein haben. Gibt es Kontinuitäten im militärischen Denken und Handeln?, fragt er. Und will die Bundesrepublik heute überhaupt noch Streitkräfte, „demokratische Krieger“, die wirklich fähig sind, intensive Gefechte gegen einen hochgerüsteten Gegner zu führen (wofür eine ganz andere Ausrüstung der Bundeswehr nötig wäre)? Oder will sie sich, ohne Kampftruppen, mit aller Konsequenz zur Rolle als Zivilmacht und „Global Social Worker“ bekennen?

