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Buchfest in Lissabon : Dorthin, wo es wehtut

Nur ein kleiner Ausschnitt der portugiesischen Seele offenbart sich in diesen Wochen auf den Straßen Lissabons. Viel mehr verrät die Literatur. Bild: AFP

Weg vom Beistelltisch der europäischen Literatur: Wie sich eine junge portugiesische Schriftstellergeneration ihren inneren Widerständen und der kolonialen Vergangenheit stellt.

          8 Min.

          Bei Tisch ballt die Poetin ihre Fäuste. Hélia Correia, gebeugt, doch spitzbübisch, einundsiebzig Jahre alt, hat sich im Lissaboner Literaturclub Grémio Literário, wo ein Kellner im Frack seit fünfzig Jahren Kabeljau serviert, in Wut geredet beim Gedanken an die Literatur als Profession. Das soll sie nicht sein. Eine Passion soll sie sein. Von ihrem Vater, der eingesperrt wurde während der Diktatur, redet sie nicht beim Essen. Aber von ihren Gedichten für die literarischen Seiten der Zeitungen und ihren unsichtbaren Revolten. Ein paar Verse über die Maße eines Stuhls, ruft sie, konnten damals Wettbewerbe gewinnen, stellt euch das vor! Weil es keine Spur des Politischen enthielt. Mädchen sollten damals nicht beim Lesen gesehen werden. Es gehörte sich nicht.

          Elena Witzeck

          Redakteurin im Feuilleton.

          Sie schreibt schwebende, davoneilende Gedichte, hin und wieder einen Roman. Der letzte, „Ein Tänzer im Kampf“, handelt von Geflüchteten, sei aber kein Gegenwartsroman, sagt sie, die Zeit sei eine andere, könnte jede sein. Von der großen brasilianischen Schriftstellerin Clarice Lispector, Meisterin der Introspektion, sagt sie: „eine von meiner Art“. Hélia Correia durchmisst die portugiesische Literaturgeschichte mit einer Handbewegung und hat natürlich auch ein Urteil über die gegenwärtige Lage parat: „Wir werden offener, freier, experimenteller. Das ist gut.“ Sie hat sich ihren Schalk bewahrt, ihre Freunde sind Kinder, Katzen und junge Lyrikerinnen. Jetzt legt sie ihre schmalen, von feinen Adern überzogenen Hände flach auf den Tisch. „Alles Schreiben ist politisch.“ Dann gibt es Pudding.

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