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Bibliotheken und E-Books : Leihen statt kaufen

Die Stadtbibliothek Stuttgart ist ein so anerkannt schönes Haus, dass es schade wäre, die Medien nicht vor Ort auszuleihen. Bild: Jonas Wresch

Der Börsenverein schlägt mit einer Studie zu E-Book-Hörern Alarm: Schaden Bibliotheken dem Buchhandel?

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          „Buchkäufer – Quo vadis“, so überschrieb der Börsenverein des deutschen Buchhandels im vergangenen Sommer eine Studie, die einen drastischen Schwund an hiesigen Buchkäufern registrierte. Siebzehn Monate später scheint die Antwort gefunden: Es geht um 2,6 Millionen Menschen, die in Deutschland Bücher und andere Medien digital bei öffentlichen Bibliotheken ausleihen – über den Service „Onleihe“ – und, so das Fazit, deswegen zum Teil weniger Exemplare kaufen.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Die Studie kommt keineswegs aus dem Nichts. Der Börsenverein hat sie veröffentlicht, nachdem sich die Bundesregierung im Koalitionsvertrag darauf verständigt hatte, dass „Bibliotheken auch im digitalen Zeitalter ihre zentralen Funktionen für Bildung und Kultur erfüllen können.“ Man werde sich „dafür einsetzen, dass Bibliotheksnutzer unter Wahrung der Vertragsfreiheit ein noch besserer Zugang zum Repertoire von E-Books ermöglicht wird.“ Dass es damit bislang nicht zum besten steht, schreiben die Bibliothekare Barbara Lison und Arne Upmeier in einem Beitrag für den „Digital publishing report“. Das Ausleihen von E-Books sei an spezielle Lizenzen geknüpft, die ausgehandelt werden müssten – „in der Folge sind E-Books für Bibliotheken daher oft um ein Vielfaches teurer als für Privatkäufer.“ Diese Lizenzen aber würden von den Verlagen nicht für alle Titel und auch nicht gleich bei Erscheinen erteilt, so dass etwa Bestseller als E-Books in Bibliotheken lange nicht verfügbar seien – im Buchhandel dagegen schon. Der Ausweg, einfach mehr gedruckte Bücher anzuschaffen, sei „paradox“, schreiben die Autoren: „Bibliotheken sollen zeitgemäße digitale Leseförderung leisten, werden aber faktisch gezwungen, wie früher Papierbücher zu verleihen, wenn sie aktuelle Bestseller anbieten wollen.“

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