https://www.faz.net/-gr0-8ncle

Ausstellung in Marbach : Schöne Bescherung!

Was wäre ein Museum ohne Stifter? Die schönsten Stücke kommen als Geschenke ins Marbacher Literaturmuseum, wie eine sehenswerte Ausstellung zeigt.

          3 Min.

          Mit dem Schenken ist das so eine Sache. Alle Jahre wieder, wenn in der Adventszeit und in den Geschäften große Umtriebigkeit ausbricht, wird man aufs Neue mit dieser Kulturtechnik konfrontiert. Die Anforderungen sind heikel: Man will nicht zu viel schenken und nicht zu wenig, nicht das Falsche an den Falschen herantragen, und hat man auch alle bedacht? Und natürlich ist die Schenkung immer eine hübsch verpackte Investition in eine Beziehung, selbst wenn Juristen den Akt bloß als „Transfer materieller Güter ohne Erwartung von Gegenleistung“ sehen. Die Bibel war da weiter: „Geben ist seliger denn nehmen“ heißt nichts anderes, als dass Geber und Nehmer zumindest in ambivalentem Verhältnis zueinander stehen. Der Frankfurter Soziologe Ulrich Oevermann spricht von der „Symmetrie der Wechselseitigkeit“.

          Sandra Kegel

          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

          Es passt also zur Jahreszeit, wenn das Marbacher Literaturmuseum der Moderne seinen Besuchern eine Ausstellung zum Schenken schenkt: „Die Gabe/The Gift“, von Susanna Brogi und Magdalena Schanz kuratiert, beleuchtet das Verhältnis zwischen Literaturarchiv und Stiftern und hat als Leitmotiv den Apfel gewählt, das Urbild der Gabe schlechthin. Immerhin mündete der Apfel, den Paris einst Aphrodite überreichte, weil die ihm als Gegengeschäft die schöne Helena versprach, in den Trojanischen Krieg. Der ja bekanntlich auch durch ein explosives Geschenk endete: Hätten die Trojaner das Pferd, das ihnen die Griechen überließen, nur einmal genauer in Augenschein genommen. Schon der Autor des „Don Quijote“, Miguel de Cervantes, wusste: „Wan man kauft, bekommt man billiger als ein Geschenk.“

          Die Schenker bleiben unsichtbar

          Die Pomologie gehört aber auch deshalb zu Marbach, weil Friedrich Schiller es mit Äpfeln hatte, man denke nur an seinen „Wilhelm Tell“. Zur Stimulanz soll er stets ein paar angefaulte Äpfel in seinem Schreibtisch aufbewahrt haben. Die Begeisterung dafür lag in der Familie. Schillers Vater betrieb Apfelstudien, die Schwester Christophine Reinwald illustrierte dessen Lehrbücher. Und so spielt die Konzeption der Ausstellung mit den Begrifflichkeiten des Obstes: Die vier Räume sind mit „Kerne“, „Blüten und Blätter“, „Gehäuse“ und „Marbacher Pomologie“ überschrieben. Die Blüten und Blätter sind natürlich die Schätze, all die kostbaren Handschriften, Erinnerungsstücke und Bilder, die als Gabe überreicht im Museum Entfaltung und Sichtbarkeit erfahren. Während die Schenker je nach Wesensart mal mehr, mal weniger unsichtbar bleiben.

          Ein Löffel mit Futteral und Holzspieß als Lagerbesteck von Angela Rohr. Bilderstrecke
          Ein Löffel mit Futteral und Holzspieß als Lagerbesteck von Angela Rohr. :

          Die Ausstellung, die mit der eindrucksvollen Schillerrede des Germanisten und Mäzen Jan Philipp Reemtsma eröffnet wurde, hat so im Grunde einen Doppelcharakter: Zum einen ist sie Dank an all jene, die wie der Unternehmer Berthold Leibinger, scheidender Vorsitzender des Marbacher Freundeskreises, im Hintergrund wirken. Und sie nutzt zugleich die Gelegenheit, ein wechselvolles Kapitel der Geschichte des Hauses in seinem ganzen historischen Umfang aufzublättern, wie Ulrich Raulff, der Direktor des Literaturarchivs, einleitend sagte.

          Weitere Themen

          Geschlossene Gesellschaft

          Roman „Ein Wintermahl“ : Geschlossene Gesellschaft

          Drei Wehrmachtssoldaten wollen der Hölle des Zweiten Weltkriegs entkommen, aber diese ist ein geschlossener Raum: In Hubert Mingarellis Roman „Ein Wintermahl“ bleibt keiner unschuldig.

          Der gerupfte Tannenbaum

          Heute in Rhein-Main : Der gerupfte Tannenbaum

          Hessen bereitet sich auf die Corona-Impfung vor. Der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts kritisiert die Corona-Maßnahmen. Die F.A.Z.-Hauptwache blickt auf die Themen des Tages.

          Topmeldungen

          Kritisierte Meuthens Rede als „spalterisch“: der Vorsitzende der Bundestagsfraktion und AfD-Ehrenvorsitzende Alexander Gauland

          AfD-Parteitag : Gauland schlägt zurück

          Für seine Kampfansage an die Radikalen muss der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen heftige Kritik einstecken. Fraktionschef Alexander Gauland rügt Meuthens Rede als „Verbeugung vor dem Verfassungsschutz“ – dabei müsse die AfD gegen diesen „kämpfen“.
          Kaum zu glauben: Marco Reus unterliegt mit der Borussia gegen Köln.

          Überraschende BVB-Pleite : Dortmunder Debakel gegen Krisenklub

          Mit einem Sieg hätte die Borussia an der Bundesliga-Tabellenspitze Druck auf den FC Bayern machen können. Stattdessen unterliegt der BVB dem abgeschlagenen 1. FC Köln. Erling Haaland vergibt in der Nachspielzeit eine Großchance.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.