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Schreiben in anderen Sprachen : Wir haben Anteil an diesen Machtverhältnissen

  • -Aktualisiert am

Anne Weber bei einer Lesung auf der digitalen Frankfurter Buchmesse 2020. Bild: dpa

Schriftsteller stehen oft vor der Entscheidung die Sprache zu wechseln. Damit verstricken sie sich in Fragen von Macht, Abhängigkeit und kolonialistischen Traditionen. Selbstreflexion einer Autorin.

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          John Irving hat den in Frankreich erfolgreichen Romancier Yann Queffélec einmal gefragt, warum er eigentlich nicht gleich auf Englisch schreibe; jedenfalls hat Letzterer das vor ungefähr einem Vierteljahrhundert in meiner Gegenwart erzählt. Queffélec wirkte, als sei er über diese Frage gleichzeitig belustigt und empört.

          Warum ihn die Frage belustigte und empörte, sagte er nicht, es schien ihm wohl selbstverständlich und keiner Erklärung zu bedürfen. Kann denn ein Schriftsteller einfach so seine Sprache wechseln, ist sie nicht alles, was er hat und zum Schreiben braucht, gehört sie nicht zu ihm wie seine Stimme, ist er nicht mit ihr verschweißt? Geht es denn tatsächlich diesen pragmatischen Amerikanern lediglich darum, einen Inhalt zu vermitteln, also etwas zu tun, was man zur Not in jeder halbwegs gut erlernten Sprache auch hinbekäme? Und welchen Grund sollte es für ihn, den Franzosen, geben, ins Englische zu wechseln? Dahinter können doch nur schnöde ökonomische Gründe stecken, also die Hoffnung, eine breitere Leserschaft zu gewinnen. Und das ihm, einem Franzosen, dessen Sprache in der ganzen Welt gesprochen wird, jedenfalls auf mehreren Kontinenten!

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