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Begegnung mit Almudena Grandes : Der ideale Moment, die Franco-Diktatur zu verstehen

Madrid ohne Franco: Spanier demonstrieren an der Puerta del Sol gegen die Bestattung der Überreste Francos in der Almudena-Kathedrale von Madrid. Bild: AFP

Von alten Dämonen und neuen Chancen: Almudena Grandes schreibt Bücher über die Diktatur und politische Kommentare zur Lage Spaniens. Sie sagt: Jetzt ist endlich Zeit, aus der Vergangenheit zu lernen.

          Ende Dezember 1978, drei Jahre nach Francisco Francos Tod und fast vierzig Jahre nach dem Beginn der Diktatur, trat die neue spanische Verfassung in Kraft und weckte Hoffnung auf eine stabile Demokratie. Vor drei Wochen feierte die Regierung den vierzigsten Jahrestag dieser Verfassung. Von einem „großartigen nationalen Pakt des Zusammenlebens in Eintracht und Versöhnung“ sprach König Felipe, während die Parlamentarier sich im Plenarsaal drängten. Später sagte er: „Alle Politiker sind sich bewusst, dass es Dinge gibt, die reformiert werden müssen.“ Da standen gerade in mehreren Städten Demonstranten auf der Straße und zeigten ihrerseits, was sie vom Zustand der Verfassung hielten.

          Elena Witzeck

          Redakteurin im Feuilleton.

          Die spanische Demokratie hat im zu Ende gegangenen Jahr viele Kämpfe mit sich selbst ausgefochten. Vom Katalonien-Konflikt über die Vertrauenskrise der Regierung und den prompten Vorstoß des neuen Kabinetts, Francos Überreste im „Tal der Gefallenen“ nordwestlich von Madrid zu exhumieren, bis zu den lautstarken Protesten gegen sexualisierte Gewalt infolge mehrerer Gerichtsurteile scheint das ganze Land in Bewegung geraten zu sein. Es geht um die Aufarbeitung dessen, was jahrzehntelang verdrängt wurde, und die Exhumierung eines Diktators ist dafür ein gutes Symbol.

          Stimmung der Verdrängung

          Die Schriftstellerin Almudena Grandes, die seit dreißig Jahren Romane über die Auswirkungen von Bürgerkrieg und Franco-Regime auf die spanische Gesellschaft schreibt und für die Tageszeitung „El País“ Kolumnen über die politische Lage im Land, sagt: „Wir haben nie zwischen den Opfern und den Scharfrichtern dieses Krieges unterschieden.“ Im „Tal der Gefallenen“, das von Zwangsarbeitern mit erbaut wurde, liegen auch noch Tausende republikanische Spanier, die Opfer des Bürgerkriegs wurden. Die protzige Weihestätte mit dem Grab des Diktators steht unter dem Schutz des Staates. In dieser Stimmung der Verdrängung, so die Autorin, überlebte mit dem Geist des Franquismo die Angst.

          Vierzig Jahre Diktatur, die Krise, die Unzufriedenheit der jungen Spanier: Hängt alles zusammen, sagt die Schriftstellerin Almudena Grandes

          Die neue, liberale PSOE-Regierung wird nach Jahren der Korruption und der schweigenden Entfremdung von der Bevölkerung immerhin als „erste ohne Komplexe“ wahrgenommen. Und dass die konservative PP, jetzt Oppositionspartei, nach langem Zögern beim Beschluss über die Exhumierung Francos mit Enthaltungen stimmte, sei ein wichtiges Zeichen, sagt Grandes, ein dringend nötiges bei den Bemühungen, der Phantasie vom soziologischen Franquismo ein Ende zu setzen und mehr Erinnerung zuzulassen.

          Im Sommer ist ihr Roman „Kleine Helden“ über die Konsequenzen der Wirtschaftskrise bei Hanser auf Deutsch erschienen. Seitdem hat Grandes, eine imposante Frau mit schwarzen Locken, in verschiedenen deutschen Städten Lesungen gegeben, dann aber, wann immer jemand fragte, mit rauher Stimme und Nachdruck darüber gesprochen, wie alles zusammenhängt: vierzig Jahre Diktatur, die Krise, die aktuellen Zeichen der Unzufriedenheit. In „Kleine Helden“ schildert sie die Auswirkungen der Rezession auf den Alltag der Menschen im Land. Bei allem Schaden, den die Wirtschaftslage seit 2008 angerichtet habe, für eine Erkenntnis sei sie gut gewesen: Nach Jahrzehnten der Angst vor einer Rückkehr in totalitäre Strukturen, nach dem langen Schweigen der „Transición“ und einem Minderwertigkeitskomplex, der sich aus diesen Ängsten nährte, sei nun der Zeitpunkt gekommen, mit neuer Energie das nie ganz Vergangene zu bewältigen.

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