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Begegnung mit Almudena Grandes : Der ideale Moment, die Franco-Diktatur zu verstehen

Während der Krise galten in Spanien die Älteren, die sich an frühere Überlebensstrategien erinnerten, als treibende Kräfte. In „Kleine Helden“ stützen diese Zeitzeugen der Jahrzehnte der Diktatur ihre Familien, Freunde und Nachbarn. Verglichen mit dem, was sie gesehen haben, wirkt der neue Kampf verkraftbar. Grandes erinnert in ihrem Roman an eine Kultur der Armut, von der ihre eigene Kindheit geprägt war, an eine Würde, die keinen Besitz brauchte und den Jüngeren heute fremd ist.

Alte Tugenden

Die Arbeitslosenzahlen sind inzwischen auf fast die Hälfte geschrumpft, die Spanier gehen wieder einkaufen und reisen. Aber die Ausbeutung der Jungen und die prekären Arbeitsbedingungen werden bleiben, davon ist die Schriftstellerin so überzeugt wie von der Chance, mit den neu erwachten alten Tugenden gegen sie anzugehen: Gewerkschaften, Organisationen für Frauen und Nachbarschaftsgruppen seien Beispiele für informelle Zusammenschlüsse von Bürgern, die mit ihren Mitteln da angreifen, wo Regierung und Institutionen nicht hinsehen, und die in den vergangenen Jahren bewiesen hätten, wie wirksam sie sein könnten.

Dazu gehört auch der Umgang mit der Rolle der Frauen. Wegen dieses Umgangs gehen die Spanierinnen seit einiger Zeit auf die Straße, demonstrieren gegen strukturelle Benachteiligung und Gewalt. Im Frühjahr versammelten sich fünf Millionen Frauen an unterschiedlichen Orten zum Internationalen Frauentag. Grandes wurde 1960 geboren. Sie erinnert sich an das Aufwachsen in einer Gesellschaft, die in ihrem starren Gefüge den Zuständen des neunzehnten Jahrhunderts ähnelte. Was die Lehrer verlangten und die Eltern vorlebten, wurde von einem Tag auf den anderen obsolet. „Frauen ohne Instruktionen“ werden die Vertreterinnen dieser Generation genannt, die sich mit der amerikanischen Frauenbewegung nicht identifizieren konnten, denn was sollte das Verbrennen von BHs bewirken, wenn die eigene Mutter nicht einmal ihren Beruf wählen durfte?

Am Weltfrauentag gingen im März 2018 Millionen Spanier auf die Straße.

Auf die Proteste folgten Veränderungen. Elf Frauen mit außergewöhnlichen Lebensläufen sitzen in der aktuellen PSOE-Regierung, politische Talkshows ohne die Beteiligung von Frauen sind inzwischen wirklich schwer vertretbar, Gewalt in Beziehungen ist zu einem Dauerthema geworden. 2017 starben in Spanien 49 Frauen durch männliche Gewalt, fünf mehr als im Vorjahr.

Im Sommer sorgte das Urteil gegen eine Gruppe Männer, die auf einem Volksfest in Pamplona eine junge Frau vergewaltigt hatten, für Empörung und heftige Proteste. „Es gab Richter, die nicht verstanden, was da passierte“, sagt Grandes. Mit der Verharmlosung des Verbrechens hätten sie sich als Vertreter der alten Rechtsordnung zu erkennen gegeben, in der Männer über ihre Frauen verfügten, Ehebruch nur im Fall der Frau strafbar war und der Mord an einer Frau, die beim Fremdgehen erwischt wurde, kein Delikt. Die Beamten seien von der Empörung, den ihre Entscheidung ausgelöst habe, überrascht worden. „Die Richter müssen sich daran gewöhnen, das Recht auf eine neue Art und Weise anzuwenden“, sagt Grandes, „dass auch die Gesetzgebung sich grundlegend modernisieren wird.“ Das Ergebnis sei im Fall der Gewalttat von Pamplona enttäuschend gewesen. Doch für den nächsten werde es womöglich anders aussehen.

Dennoch bleibt viel zu tun. Bis heute gab es keine Gespräche mit den Gewerkschaften über die Forderung nach gleichen Gehältern. Und der Erfolg der rechtsnationalistischen Vox-Partei bei den Regionalwahlen in Andalusien zeigt, dass sich manche Spanier gegen die Modernisierungspläne, von der Gleichberechtigung bis zur Erinnerungskultur, in Stellung bringen.

Almudena Grandes schreibt darüber in ihren Kolumnen. In ihren Romanen will sie sich vorerst weiter mit der Diktatur und ihren Folgen beschäftigen. Es gebe da noch Geschichten, sagt sie, die erzählt werden müssten.

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