https://www.faz.net/-gqz-79fcj

Suhrkamps Generalbevollmächtigter im Gespräch : Sanierungsfreundliches Werkzeug

  • Aktualisiert am

Frank Kebekus Bild: Michael Dannemann

Scheitern kann man immer, trotzdem bedeutet das Schutzschirmverfahren für Suhrkamp eine Chance. Der Berliner Jurist Frank Kebekus erklärt, warum.

          1 Min.

          Herr Kebekus, Suhrkamp meldet Gläubigerschutz an. Dabei benutzt der Verlag ein erst im letzten Jahr neu geschaffenes Gesetz. Was macht den Unterschied zum alten Insolvenzrecht aus?

          Das sogenannte Schutzschirmverfahren gibt es erst seit dem 1. März 2012. Die Besonderheit ist, dass ein Unternehmen nur dann in ein solches Verfahren darf, wenn es nicht zahlungsunfähig ist, ein „Experte“ das bestätigt und gleichzeitig auch die grundsätzliche Sanierungsfähigkeit testiert hat. Wenn das Gericht das Verfahren akzeptiert, wird eine Frist zur Vorlage eines Insolvenzplans von maximal drei Monaten gesetzt.

           Gibt es schon vergleichbare Fälle, die nach dieser neuen Regelung entschieden wurden?

          Ja, es gibt schon diverse Verfahren gemäß Paragraph 270a, 270b der Insolvenzordnung, nach meiner Kenntnis aber nicht im Verlagswesen.

          Rückt damit das Deutsche Insolvenzrecht näher an das amerikanische „Chapter 11“ heran?

          Das Schutzschirmverfahren ist sicherlich kein „Chapter 11“, es gibt den Unternehmen aber ein neues und sanierungsfreundliches Werkzeug an die Hand.

          Wie weit greift dieses Verfahren in die Gesellschafterstruktur ein? Können Beteiligungsgrößen verändert werden?

          Im Insolvenzplan können auch alle zulässigen gesellschaftsrechtlichen Maßnahmen vereinbart werden, sofern die Gläubigergruppen zustimmen.

          Können Gewinnansprüche von Gesellschaftern in Eigenkapital umgewandelt werden? Und wenn ja, unter welchen Voraussetzungen?

          Ja, es gibt den sogenannten „debt equity swap“, aber nicht gegen den Willen der Gesellschafter.

          Wie hoch schätzen Sie das Risiko des Scheiterns bei diesem Verfahren ein?

          Scheitern kann man immer, es wird eine Frage der professionellen Vorbereitung sein.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Harvey Weinstein vor der Urteilsverkündung in New York

          Wegen Sexualverbrechen : Harvey Weinstein schuldig gesprochen

          Im Vergewaltigungsprozess gegen Harvey Weinstein hat die Jury den ehemaligen Hollywood-Mogul wegen Sexualverbrechen schuldig gesprochen. Das teilten die Geschworenen dem Obersten New Yorker Gericht nach tagelangen Beratungen mit.
          Giulia Silberberger klärt bei „Der goldene Aluhut“ über Verschwörungstheorien auf.

          Verschwörungstheorien im Netz : „Das sind keine lustigen Spinner“

          Die Hetze, die durch Verschwörungstheorien befeuert wird, kann bedrohlich werden – das hat der Terrorakt in Hanau wieder bewiesen. Im Gespräch erzählt Giulia Silberberger, wie man gegen die Verbreitung solcher Ideologien vorgehen kann.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.