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Suhrkamp vor Gericht : Nichts ist vorbei am Aschermittwoch

Ist Barlach am Ende nur ein Mittelsmann?

Unklar bleibt, wie eine Einigung überhaupt aussehen könnte, die Suhrkamp retten würde. Im Hintergrund läuft zwar schon ein Vermittlungsversuch mit gleich zwei Mediatoren. Dieser erweist sich angesichts des zerrütteten Verhältnisses der Parteien jedoch als hochgradig kompliziert. Die Suhrkamp-Verlegerin und der Enkel des Bildhauers haben sich dem Vernehmen nach im Beisein von Anwälten immerhin einmal zu einem einstündigen Treffen zusammengesetzt. Herausgekommen sei nichts, heißt es. Schon an der Frage der „Friedenspflicht“, im Mediationsverfahren eigentlich unabdingbar, sei man gescheitert. Die Forderung der Familienstiftung, die Rechtsstreitigkeiten während der Vergleichsverhandlungen zunächst ruhenzulassen, habe Barlach zurückgewiesen. Stattdessen bekräftigte er in einem „Spiegel“-Interview noch einmal seine Forderung nach dem Rücktritt von Ulla Unseld-Berkéwicz als Geschäftsführerin. Zugleich hat er einen sogenannten „Weißen Ritter“ ins Spiel gebracht, also ein Dritter, der seiner Vorstellung nach bei Suhrkamp einsteigen sollte.

Ein neuer Gesellschafter würde sich allerdings kaum mit den Anteilen von Barlach begnügen, der mit neununddreißig Prozent ja in der Minderheit ist. „Der würde immer nur die Mehrheit anstreben, also mindestens einundfünfzig Prozent“, glaubt auch Helmut Markwort zu wissen, als er nach der Frankfurter Verkündung noch im Gerichtssaal steht und mit seinen Kollegen redet. Der Journalist sitzt für Barlach im Beirat der Verlagsleitung GmbG und zeigt sich in Suhrkamp-Fragen außergewöhnlich rege. Und so schießen die Spekulationen über seine Rolle ins Kraut: Erst neulich sollen er und Barlach sich in München mit Michael Krüger getroffen haben, um mit dem scheidenden Hanser-Verleger den Fall Suhrkamp zu besprechen. Andere Gerüchte stellen in Frage, dass Barlach tatsächlich Überzeugungstäter ohne Hintermänner sei, und vermuten, dass der Hamburger Kaufmann die Funktion eines Steigbügelhalters für einen noch unbekannten Interessenten einnehme. Tatsächlich beflügelt Barlachs Verhalten mit seinem Gerede vom „Weißen Ritter“ solche Phantasien - wie auch mit seinem üppig bemessenen Angebot für die Suhrkamp-Anteile der Familienstiftung in Höhe von fünfzig Millionen Euro.

Klar ist immerhin, dass die heutige Entscheidung den Boden für die wildesten Spekulationen bereitet. Solange nichts entschieden ist, können alle Seiten ihre Sicht der Dinge nach Herzenslust in die Öffentlichkeit tragen, schmutzige Wäsche inklusive. Was das für den dringend ruhebedürftigen Verlag bedeutet, ist kaum auszudenken.

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